Posted in: Sonnensystem 21. November 2012 19:00 Weiter lesen →

Eisiger Zwerg ohne Gashülle

Grafik zeigt Blick über von kleinen Kratern übersäten Himmelskörper auf eine ferne, winzige Sonne Schattenspiele der kosmischen Art helfen, Objekte in den eisigen Außenbezirken des Sonnensystems zu studieren. So geschehen im Fall des Zwergplaneten Makemake, der im Jahr 2011 vor einem Hintergrundstern vorüberzog. Aus der jähen Verdunkelung des Sterns folgern europäische und südamerikanische Astronomen, dass der Zwergplanet keine nennenswerte Atmosphäre aufweist.

Grafik: ESO/L. Calçada/Nick Risinger (skysurvey.org)

Makemake ist derzeit rund 7,8 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt, etwa 3 Milliarden Kilometer weiter als sein Vetter Pluto. Letzterer besitze sehr wohl eine Gashülle, sodass man eine solche auch bei Makemake nicht habe ausschließen können, erklärt José Luis Ortiz vom Instituto de Astrofísica de Andalucía in Granada. „Das Fehlen jeglicher Anzeichen für eine Atmosphäre belegt, wie viel wir über diese geheimnisvollen Himmelskörper noch lernen müssen.“

Makemake war erst im Jahr 2005 entdeckt worden und ist etwa 1.420 Kilometer groß. Abgesehen von der Bahn, dem Durchmesser und einem Spektrum des an der Oberfläche reflektierten Sonnenlichts war nur wenig über das Objekt bekannt. Eine Gelegenheit, dies zu ändern, bot sich mit dem Durchgang vor einem fernen Stern am 23. April 2011. Erst wenige Tage zuvor hatten neue Messungen und Berechnungen ergeben, dass der Schatten Makemakes bei diesem Ereignis die Erde nicht etwa verfehlen, sondern quer durch Südamerika ziehen würde. Ortiz und Kollegen organisierten daraufhin eine Beobachtungskampagne mit 16 Teleskopen.

An 7 Teleskopen in Chile und Brasilien konnte der Durchgang in Form einer rund 1-minütigen Verdunkelung des Sterns registriert werden. Der Abfall und erneute Anstieg der Helligkeit erfolgte so abrupt, dass Makemake bestenfalls eine Gashülle mit einem Druck von wenigen Milliardstel Bar haben kann, berichten Ortiz und Kollegen im Magazin „Nature“.

Diese Beobachtung lasse wiederum vermuten, dass die Dichte von Makemake zwischen 1,4 und 1,7 Tonnen pro Kubikmeter liege, so die Forscher. Wäre nämlich die Dichte und damit die Schwerkraft höher, könnte man noch Spuren einer ursprünglichen Stickstoffatmosphäre erwarten. Wäre sie niedriger, hätte sich dagegen auch das Methan-Eis, das sich im Oberflächenspektrum von Makemake andeute, längst verflüchtigen sollen.

Forschung: José Luis Ortiz Moreno, Instituto de Astrofísica de Andalucía, Granada; Bruno Siccardy, LESIA-Observatoire de Paris, CNRS/Université Pierre et Marie Curie Paris; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 491, 22. November 2012, pp 566–9, DOI 10.1038/nature11597; Präsentation European Planetary Science Congress, EPSC-DPS2011-704

WWW:
Departamento de Sistema Solar, Instituto de Astrofísica de Andalucía
LESIA, Observatoire de Paris
Makemake

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Plutos strahlender Zwilling
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