Posted in: Sterne 5. Dezember 2012 19:30 Weiter lesen →

Astronomen wiegen stellaren Säugling

Illustration zeigt großen Wirbel um hellgelbe Gaskugel, einige Pfeile Den bislang besten Blick in die Wiege eines Sterns hat eine internationale Astronomengruppe erhascht. Der von den Forschern studierte Protostern ist höchstens 300.000 Jahre alt und bringt derzeit knapp ein Fünftel der Sonnenmasse auf die Waage. Allerdings legt er kräftig zu, indem er große Mengen von Gas und Staub aus den Resten seiner Geburtswolke anzieht.

Grafik: Bill Saxton, NRAO/AUI/NSF

„Dieses extrem junge Objekt hat alle typischen Elemente eines angehenden Sonnensystems“, erklärt John Tobin vom National Radio Astronomy Observatory im US-Bundesstaat Virginia. Im Laufe der Zeit könnte es der Protostern durchaus auf die Masse der Sonne bringen, berichten der Forscher und seine Kollegen im Magazin „Nature“. Auch eine Gas- und Staubscheibe mit reichlich Ausgangsstoff für künftige Planeten sei bereits vorhanden.

Der junge Stern mit der Bezeichnung L1527 IRS liegt in einer Sternentstehungsregion im Sternbild Stier, der Taurus-Molekülwolke in 460 Lichtjahren Entfernung von der Sonne. Auf den ersten Blick erscheint er lediglich als dichter Knoten in den Gas- und Staubschwaden der Wolke. Die hochauflösenden Beobachtungen der Forscher im langwelligen Submillimeter- und Millimeterbereich zeigen jedoch, dass es im Innern des Kokons im wahrsten Sinne des Wortes rundgeht.

Grafik zeigt farbcodiert die Rotation der Scheibe Anhand der Scheibenrotation (Farbcodierung: km/s) kann die Masse des Protosterns bestimmt werden. Grafik: Tobin et al.

Tobin und Kollegen konnten frühere Beobachtungen bestätigen, denen zufolge der Protostern in seiner Hülle von einer großen Scheibe aus Gas und Staub umgeben ist. In dieser rotierenden Scheibe, die ungefähr 300-mal so weit ist wie die Bahn der Erde um die Sonne, sammelt sich von dem Stern angezogenes Material wie in einem großen Strudel und kann schließlich zu Planetenvorläufern verklumpen. Derzeit enthält die Scheibe genügend Material für mindestens 7 Jupiter, schätzen die Forscher auf Basis ihrer neuen Daten. Zudem gelang es ihnen, anhand des Dopplereffekts die Rotation der Scheibe zu vermessen und so die Masse des Protosterns zu bestimmen: etwa 19 Prozent der Sonnenmasse.

Dieser Wert ändert sich jedoch rasch, schreiben Tobin und Kollegen. Obwohl im Innern des Protosterns noch keine Kernfusion eingesetzt hat, wird beim Auftreffen des angezogenen Materials Strahlung freigesetzt. Anhand der beobachteten Helligkeit veranschlagen die Forscher den jährlichen Zuwachs zu rund 0,2 Erdmassen. Rein rechnerisch könnte der kleine Protostern also in gut 1 Million Jahren das Kaliber der Sonne erreicht haben – seine Umgebung enthält auf jeden Fall ausreichend Material.

Forschung: John L. Tobin, National Radio Astronomy Observatory, Charlottesville; Lee Hartman und Nuria Calvet, Department of Astronomy, University of Michigan, Ann Arbor; Paola D’Alessio, Centro de Radioastronomía y Astrofísica, Universidad Nacional Autónoma de México, Morelia; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 492, 6. Dezember 2012, pp 83–6, DOI 10.1038/nature11610

WWW:
Homepage John Tobin, National Radio Astronomy Observatory
Protostar
Star Formation
SMA, CARMA

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Die Geburt eines stellaren Riesenbabys

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