Posted in: Sonnensystem, Technik 11. Dezember 2012 17:39 Weiter lesen →

Venus lässt die Sonne tanzen

Foto zeigt Sonne als große orange-gelbe Scheibe, darauf ein kleiner runder Fleck Als im Juni dieses Jahres die Venus die Sonnenscheibe kreuzte, schien sich das Gestirn kurzzeitig von der Erde zu entfernen und sich ihr dann wieder zu nähern. Die Beobachtung dieses kuriosen optischen Effekts ist italienischen Astronomen gelungen. Neben einem hochentwickelten Messinstrument griffen die Forscher dabei auf den Mond als Spiegel für das Sonnenlicht zurück.

Foto: Dalcde via Wikimedia.org (Creative Commons ShareAlike 1.0)

Bei dem Ereignis erreichte die Sonne scheinbar eine Geschwindigkeit von etwa 1 Meter pro Sekunde entlang der Sichtlinie, ermittelte die Gruppe um Paolo Molaro von der Sternwarte des Instituto Nazionale di Astrofisica in Triest. Dieses Resultat lasse erahnen, welche Informationsfülle künftige Großteleskope über ferne Planetensysteme liefern könnten, so der Forscher.

Die Venus ist der sonnennähere Nachbarplanet der Erde. Die Bahnen beider Welten sind allerdings leicht gegeneinander geneigt, sodass der Schatten der Venus nur in bestimmten Jahren die Erde streift. Der Venusdurchgang am 6. Juni war das letzte Ereignis dieser Art für die nächsten 105 Jahre und wurde daher von Hobby- und Profiastronomen in aller Welt mit Spannung erwartet.

Molaro und Kollegen nutzten die Gelegenheit und eines der Teleskope am europäischen VLT-Observatorium in Chile, um Veränderungen im Lichtspektrum der Sonne nachzuspüren. Diese kommen zustande, indem die Venus auf ihrem Weg über die Sonnenscheibe zunächst den auf die Erde zurotierenden und dann den von der Erde wegrotierenden Teil der Sonne leicht abschattet. Ersterer erscheint aufgrund minimal gestauchter Lichtwellen etwas blauverschoben, letzterer aufgrund minimal gestreckter Wellen leicht rotverschoben.


Video: Marco Dima und Simone Zaggia, INAF-Osservatorio Astronomico di Padova

Knapp 3 Stunden nach Beginn des Venusdurchgangs stand der Mond so hoch über den Anden, dass die Astronomen mit einem hochauflösenden Spektrografen zumindest die zweite Hälfte des Durchgangs verfolgen konnten. Die anhand des Spektrums berechnete scheinbare Annäherungsgeschwindigkeit entspricht bis auf einige Zentimeter pro Sekunde dem theoretischen Wert, berichten die Forscher. Die Messungen waren sogar so gut, dass sich das leichte Pulsieren der Sonnenoberfläche im Takt von etwa 5 Minuten und mit einer Amplitude von etwa 0,4 Metern pro Sekunde ebenfalls in den Daten abzeichnet.

Forschung: Paolo Molaro, Osservatorio Astronomico di Trieste, Instituto Nazionale di Astrofisica (INAF), Triest; Lorenzo Monaco, European Southern Observatory, Vitacura; Mauro Barbieri und Simone Zaggia, Dipartimento di Fisica e Astronomia, Universitá degli Studi di Padova, und INAF-Osservatorio Astronomico di Padova, Padua

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society Letters, DOI 10.1093/mnrasl/sls027

WWW:
INAF-Osservatorio Astronomico di Trieste
Venustransit
Rossiter-McLaughlin-Effekt
HARPS, European Southern Observatory

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