Posted in: Exoplaneten, Sterne 4. Februar 2013 14:31 Weiter lesen →

Heller Stern mit dunkler Beule

Illustration zeigt Blick über brodelnde Oberfläche eines Sterns mit dunklem Fleck auf sehr nahe stehenden Gasriesen Sterne sind heiße Gasbälle ohne feste Oberfläche. Als solche können sie durch ihre Planeten merklich verformt werden, bestätigt eine Untersuchung amerikanischer Astronomen. In dem studierten Fall scheint ein massereicher Planet so stark an seinem Gestirn zu zerren, dass sich darauf eine minimal kühlere und daher weniger hell strahlende Beule bildet.

Illustration: NASA/JPL-Caltech

Einem Gezeitenberg nicht unähnlich, läuft die Beule synchron mit dem Planeten um den Stern, folgert die Gruppe um Brett Morris von der Universität Maryland aus den Daten des Weltraumteleskops Kepler. Dass die Helligkeitsveränderung tatsächlich auf diese Weise zustande komme, müsse allerdings durch weitere Beobachtungen bestätigt werden, schreiben die Forscher demnächst im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“.

Der von Morris und Kollegen betrachtete Stern HAT-P-7 liegt im Sternbild Schwan und ist gut 1.000 Lichtjahre von der Sonne entfernt. Vor einigen Jahren war dort ein Planet entdeckt worden, der etwa das Doppelte der Jupitermasse besitzt und alle 2,2 Tage im Abstand von kaum 6 Millionen Kilometern um seinen hell strahlenden Stern rast. Dabei läuft er durch die Sichtlinie zur Erde, sodass HAT-P-7 kurzzeitig etwas dunkler wird.

Aufgrund der extremen Verhältnisse war das System zu einem bevorzugten Beobachtungsziel für Kepler erklärt worden: Seit Mai 2009 hat das Weltraumteleskop die Helligkeit von HAT-P-7 daher im Minutentakt erfasst. Die Forscher analysierten nun mehr als 1 Millionen Messwerte aus den ersten 2 Jahren der Beobachtungskampagne. Dabei stießen sie auf einen seltsamen Effekt.

Kurz nachdem der Planet begonnen hat, die Scheibe seines Sterns zu queren, erscheint diese etwas heller als erwartet. Offenbar bedeckt der Planet zu diesem Zeitpunkt einen ohnehin etwas dunkleren Fleck auf der Sternscheibe, folgern die Forscher, sodass nur der Effekt des Planetenschattens zum Tragen kommt. Da der Fleck synchron mit dem Planet umläuft, wird er vermutlich durch dessen Schwerkraft erzeugt. Seine Position hinkt dem Fußpunkt des Planeten zudem um etwa 3 Stunden hinterher – ein Umstand, der nach den Berechnungen der Forscher gut zu der Geschwindigkeit passt, mit der sich Druck- und Temperaturschwankungen in der Gashülle des Sterns ausbreiten.

Forschung: Brett M. Morris, Avi M. Mandell und Drake Deming, Department of Astronomy, University of Maryland, College Park, und NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters (im Erscheinen); Preprint arXiv:1301.4503

WWW:
Department of Astronomy, University of Maryland
Extrasolar Planets Encyclopaedia: HAT-P-7 b
Hot Jupiter
Kepler Space Telescope

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