Posted in: Exoplaneten 14. März 2013 20:00 Weiter lesen →

Exoplanet offenbart seine Geschichte

Grafik zeigt dunkelrötlich glimmenden Gasriesen mit Wolkenbändern in dünner Gasscheibe um hell strahlenden Stern Den bislang besten Blick in die Gashülle eines fernen Planeten hat eine kanadisch-amerikanische Astronomengruppe werfen können. Die Atmosphäre des Gasriesen enthält demnach reichlich Wasser und Kohlenmonoxid, jedoch praktisch kein Methan. Daher sind der Exoplanet und seine Geschwister vermutlich auf ähnliche Weise entstanden wie ihre Pendants im hiesigen Sonnensystem.

Grafik: Dunlap Institute for Astronomy & Astrophysics; Mediafarm

„Unsere Resultate zeigen, dass das System HR 8799 einige Ähnlichkeit mit einer vergrößerten Ausgabe des Sonnensystems aufweist“, erklärt Quinn Konopacky von der Universität Toronto. „Und daher wäre es keine große Überraschung, sollten wir dort neben Gasriesen auf weiten Umlaufbahnen auch erdähnliche Planeten auf engeren Bahnen finden.“ Konopacky und ihre Kollegen präsentieren ihre Beobachtungsresultate im Magazin „Science“.

Das System HR 8799 ist etwa 130 Lichtjahre von der Sonne entfernt und birgt mindestens 4 große Gasplaneten, die einen jungen, heißen Stern in großem Abstand umkreisen. Bereits früher war es gelungen, diese Gasriesen direkt abzulichten. Konopacky und Kollegen konnten die Qualität der so gewonnenen Lichtspektren nun nochmals steigern. Dazu ließen sie eines der Keck-Zwillingsteleskope auf Hawaii mitsamt einem leistungsfähigen Spektrographen insgesamt mehr als 5 Stunden lang auf das ferne System starren.

Aufnahme des Systems zeigt Stern und 4 Planeten als gelbrote Flecken vor tiefblauem Hintergrund, ein weißes Rechteck um 1 Planet Grafik: RC-HIA, C. Marois & Keck Observatory

Indem sie das gleißende Sternenlicht aus den Daten herausrechneten, erhielten die Astronomin und ihre Kollegen ein gut aufgelöstes Spektrum von HR 8799c, einem Gasriesen von etwa 7 Jupitermassen. Die wolkige Gashülle des Exoplaneten unterscheidet sich in ihrer Zusammensetzung demnach deutlich von dem Mutterstern. Insbesondere weist sie ein höheres Mengenverhältnis von Kohlenstoff zu Sauerstoff auf.

Dieser Umstand lasse vermuten, dass HR 8799c und seine Geschwister nicht auf einen Schlag entstanden seien, folgern die Forscher. Wahrscheinlich hätten sich zunächst Staub- und Eispartikel zu kleineren Brocken und diese wiederum zu massiven Planetenkernen zusammengelagert. Erst diese hätten dann große Massen des verbliebenen Gases aus ihrer Umgebung angezogen. Wären die Planeten hingegen entstanden, indem Teile der Geburtswolke des Systems unter ihrer eigenen Schwerkraft kollabierten, sollte man mehr Wasser und Sauerstoff in der Gashülle von HR 8799c erwarten, so Konopacky und Kollegen.

Forschung: Quinn M. Konopacky und Bruce A. Macintosh, Dunlap Institute for Astronomy and Astrophysics, University of Toronto, und Lawrence Livermore National Laboratory, Livermore; Travis S. Barman, Lowell Observatory, Flagstaff; Christian Marois, National Research Council of Canada, Dominion Astrophysical Observatory, Victoria

Veröffentlichung Science, 14. März 2013, DOI 10.1126/science.1232003

WWW:
Quinn Konopacky, University of Toronto
HR 8799, Extrasolar Planets Encyclopaedia
Two Planet Formation Scenarios
W. M. Keck Observatory

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Der Fingerabdruck eines Exoplaneten
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1 Kommentar zu "Exoplanet offenbart seine Geschichte"

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  1. Willy sagt:

    Es scheint sich immer mehr zu zeigen, dass die Abläufe im Kosmos alle sehr ähnlich ablaufen. Genau das lässt vermuten, dass es da draußen vor Leben nur so wimmelt.
    Leider müssen sehr viele Faktoren stimmen, damit wir eine Zivilisation finden, die gerade „jetzt“ – also in Relation zur Entfernung, da wir ja nur Signale aus der Vergangenheit empfangen – auf einem Stand ist, dass sie mit anderen kommunizieren kann und das auch will.
    Es ist schön, in solch einer soannenden Zeit zu leben.
    Danke für den anregenden Beitrag.