Posted in: Galaxien 24. April 2013 17:57 Weiter lesen →

Eine Galaxie am Limit

Bild zeigt Galaxie als wolkiges Objekt mit dichtem Kern Eine in mehrfacher Hinsicht extreme Galaxie haben kanadische und französische Forscher identifiziert. Bei dem weit entfernten Objekt scheint die Entstehung neuer Sterne auf einen sehr kleinen Bereich beschränkt zu sein. Dafür läuft die Sternentstehung dort in einer enormen Geschwindigkeit ab, die hart am theoretischen Maximum liegt.

Die Galaxie am Eddington-Limit, abgelichtet im Infrarot von WISE und im sichtbaren Licht (Einschub) von Hubble. Bild: NASA/JPL-Caltech/STScI/IRAM

„Diese Galaxie bringt neue Sterne mit einer Rate hervor, die mehrere Hundert Mal über dem Wert der Milchstraße liegt“, erklärt Jim Geach von der McGill-Universität in Montreal. Deutlich höher könne die Rate auf Dauer auch nicht liegen, da die Strahlung der vielen jungen Sterne ansonsten das in der Galaxie vorhandene Gas und damit den Rohstoff für weitere Sterne in alle Winde zerstreuen würde.

Geach und Kollegen nutzen ein Radiowellen-Interferometer in Südfrankreich, um die rund 6 Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxie SDSSJ1506+54 zu untersuchen. Das Objekt gehört zu einer ganzen Reihe kompakter Galaxien, die bei früheren Beobachtungen mit den Weltraumteleskopen WISE und Hubble aufgefallen waren. Tatsächlich belegen die neuen Messungen höchste Aktivität auf engstem Raum, berichten die Forscher im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“.

Anhand ihrer Daten konnten die Forscher abschätzen, wie viel Kohlenmonoxid die ferne Galaxie enthält. Im Verhältnis zu diesem Indikator für die insgesamt vorhandene Gasmenge sendet die Galaxie sehr viel mehr Infrarotstrahlung aus als die meisten anderen bislang studierten Galaxien, fanden sie. Damit nicht genug, dürfte nur ein kleiner Teil der Infrarotstrahlung von SDSSJ1506+54 aus dem Materiestrudel um ein zentrales Schwarzes Loch stammen.

Offenbar erstrahlen in der fernen Galaxie jährlich mehrere Hundert neuer Sonnen, das allerdings in einem Raumbereich von nur wenigen Hundert Lichtjahren Durchmesser, schreiben Geach und Kollegen. Möglicherweise ausgelöst durch die Verschmelzung zweier Vorläufergalaxien, bleibe die extrem konzentrierte Aktivität nicht ohne Folgen, ergänzt Ryan Hickox vom Dartmouth College in Hanover, einer der Forscher: „Wir können beobachten, dass ein Teil des Gases mit mehr als 1 Million Kilometern pro Stunde aus der Galaxie strömt – möglicherweise angetrieben durch die Strahlung neu entstandener Sterne.“

Forschung: James E. Geach, Department of Physics, McGill University, Montréal; Ryan C. Hickox, Department of Physics and Astronomy, Dartmouth College, Hanover; Aleks M. Diamond-Stanic, Center for Astrophysics and Space Sciences, University of California San Diego, La Jolla; Melanie Krips, Institut de Radioastronomie Millimétrique, Saint Martin d’Hères; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 767(1), L17, DOI 10.1088/2041-8205/767/1/L17; Preprint arXiv:1302.6236

WWW:
Jim Geach, McGill University
Mergers and Starburst Galaxies
Plateau de Bure Interferometer
Eddington Luminosity

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Galaxis voller Blasen
Alte Galaxie mit neuem Schwung

Posted in: Galaxien
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (9 Bewertungen, im Schnitt 4,89 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.