Posted in: Galaxien, Sterne 6. Juni 2013 15:22 Weiter lesen →

Stellarer Babyboom

Falschfarbenbild zeigt den Nebel als rötliche Ansammlung wallender Gasmassen Ein glimmender Nebel in der Milchstraße bringt in rascher Folge neue Sterne hervor, zeigen Beobachtungen amerikanischer Astronomen. In ihren Umrissen an einen 50 Lichtjahre großen Pfotenabdruck erinnernd, erlebt die Ansammlung von Gasmassen demnach das stellare Gegenstück zu einem Babyboom.

Der Katzenpfotennebel NGC 6334 im Infrarot. Bild: S. Willis (CfA); NASA/JPL-Caltech/SSC

Die Geburtenrate neuer Sterne liege im Katzenpfotennebel NGC 6334 noch höher als in dem berühmten Orionnebel, erklärt Sarah Willis von der Iowa State University und dem Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics. Das bedeute aber auch, dass der Gasvorrat des Nebels schnell aufgebraucht sein werde. „Für uns stellt er in doppelter Hinsicht einen Glücksfall dar“, so die Astronomin, „einerseits, weil er so nahe ist, und andererseits, weil wir diese Phase einer schlagartigen Sternentstehung verfolgen können.“

Sterne entstehen, wenn verdichtete Gasmassen unter ihrer eigenen Schwerkraft kollabieren. NGC 6334 ist seit langem als Sternenwiege bekannt und enthält genügend Material für Sterne mit einer Gesamtmasse von schätzungsweise 200.000 Sonnen. Willis und Kollegen gingen nun der Frage nach, wie schnell dieser reichlich vorhandene Rohstoff umgesetzt wird. Ihre Resultate präsentieren sie auf einer Fachtagung in Indianapolis.

Die Astronomen nutzten Infrarot-Daten der Weltraumteleskope Spitzer und Herschel und führten Beobachtungen an einem Teleskop in Chile durch. Zusätzlich zu den bereits bekannten Sternen in NGC 6334 konnten die Forscher mehr als 2.000 sehr junge Sterne identifizieren, die noch in dichte Gaskokons gehüllt und im sichtbaren Licht kaum auszumachen sind. Auf Basis ihrer Daten schätzen sie, dass in dem Nebel im Schnitt etwa alle 100 Jahre ein neuer Stern erstrahlt.

Was diesen stellaren Babyboom ausgelöst hat, ist derzeit noch rätselhaft. Bekannte Faktoren, durch die der stellare Rohstoff verdichtet werden könne, seien Schockwellen von Supernova-Explosionen und Kollisionen mehrerer Gaswolken, so die Forscher. Beide Faktoren schieden im Fall von NGC 6334 jedoch aus.

Forschung: Sarah Willis, Massimo Marengo und Howard A. Smith, Department of Physics and Astronomy, Iowa State University, Ames, und Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts; und andere

Präsentation auf dem 222nd Meeting of the Amaerican Astronomical Society, Indianapolis, #310.01

WWW:
Optical and Infrared Astronomy, Harvard-Smithsonian CfA
Astronomy, Iowa State University
NGC 6334, The Cat’s Paw Nebula
Star Formation

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Eine Galaxie am Limit
Künftige Sternwiegen

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