Posted in: Planeten 12. Juni 2013 12:08 Weiter lesen →

Eisige Rutschpartie auf dem Mars

Graustufenbild zeigt 3D-Modell eines von wulstigen Rinnen überzogenen Dünenhangs Auf dem Mars finden sich an vielen Hängen lange Vertiefungen, die Ähnlichkeit mit irdischen Abflussrinnen aufweisen. Doch nicht alle dieser Rinnen wurden von Geröll oder Flüssigkeiten geschaffen, vermuten amerikanische und europäische Forscherinnen. Einige könnten auf Brocken von Trockeneis zurückgehen, die sich bei Frühlingsbeginn aus der Eisdecke lösen und auf einem Gaspolster aus Kohlendioxid talwärts gleiten.

NASA/JPL-Caltech/Univ. of Arizona

Dieser Mechanismus liefert eine plausible Erklärung für solche Rinnen, die nicht in einem Geröllhaufen oder Sedimentfächer enden, ist Serina Diniega vom Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena überzeugt. Experimente mit Trockeneis-Blöcken auf irdischen Sanddünen stützten die exotisch anmutende Hypothese, berichten die Planetenforscherin und ihre Kolleginnen im Fachblatt „Icarus“.

Die Gruppe um Diniega und Candice Hansen vom Planetary Science Institute in Tucson analysierte Aufnahmen des Mars Reconnaissance Orbiter. Die Sonde kreist seit 7 Jahren um den Mars und erlaubt es mit ihren hochauflösenden Kamerabildern, kurzfristige Veränderungen an der Oberfläche zu erkennen – beispielsweise das Auftauchen neuer Rinnen an den Hängen großer Sanddünen, die in der kalten Jahreszeit von einer dicken Schicht aus gefrorenem Kohlendioxid bedeckt sind.

Graustufenbild zeigt 3D-Modell eines von wulstigen Rinnen überzogenen Dünenhangs NASA/JPL-Caltech/Univ. of Arizona

Solche Rinnen entstehen vor allem dann, wenn sich die Trockeneisdecke in den Frühlingsmonaten nach und nach auflöst, ermittelten die Forscherinnen. Zudem unterscheiden sie sich in ihrem Querschnitt mit leicht erhöhten Rändern von klassischen Abflussrinnen, manche enden sogar in einer kleinen Grube. Nach Ansicht von Diniega, Hansen und Kolleginnen entstehen diese Merkmale, wenn ein Brocken Trockeneis auf seinem Weg hangabwärts feinkörniges Material zur Seite schiebt und nach seiner Rutschpartie vollständig in den gasförmigen Zustand übergeht.

In jedem Fall belegten die Beobachtungen, dass der Mars nach wie vor ein äußerst aktiver Planet sei, erklärt Hansen. „Manche der dort ablaufenden Prozesse ähneln Vorgängen auf der Erde“, so die Forscherin. Trockeneis-Schlitten könnten sich jedoch nur unter den einzigartigen Temperatur- und Druckbedingungen an der Marsoberfläche in Bewegung setzen.

Forschung: Serina Diniega, Jet Propulsion Laboratory, California Institute of Technology, Pasadena; Candice J. Hansen und James N. McElwaine, Planetary Science Institute, Tucson, und Institut für Schnee- und Lawinenforschung, Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Davos Dorf; und andere

Veröffentlichung Icarus, Vol. 225(1), pp 526–37, DOI 10.1016/j.icarus.2013.04.006, und Vol. 220(1), pp 124–43, DOI 10.1016/j.icarus.2012.04.005

WWW:
Science and Technology, Jet Propulsion Laboratory
Planetary Science Institute, Tucson
Mars Reconnaissance Orbiter
Kohlendioxid und Trockeneis

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