Posted in: Planeten 2. Juli 2013 16:13 Weiter lesen →

Einsturzkrater in der Antarktis

Grafik zeigt 3-D-Ansicht des Kraters im Eis Auf einen Einsturzkrater im Eispanzer der Antarktis sind englische und niederländische Forscher bei der Analyse von Satellitendaten gestoßen. Die mehrere Kilometer große Vertiefung hat sich über einem auslaufenden See tief unter dem Eis gebildet. Indem sich dieser See erneut füllt, hebt sich auch die Eisdecke langsam wieder.

Grafik: ESA/M. McMillan

Das rasche Auslaufen und erneute Füllen des unter 3 Kilometern Eis liegenden Sees lasse vermuten, dass dergleichen schon früher geschehen sei, erklärt Andrew Shepherd von der Universität Leeds. „Wahrscheinlich ist das Wasser – mitsamt allen Mikroben und Sedimentteilchen darin – in das Südpolarmeer geflossen“, so der Forscher. Zumindest in diesem subglazialen See seien daher wohl keine exotischen Einzeller zu erwarten.

Die Gruppe um Shepherd und seinen Institutskollegen Malcolm McMillan entdeckte die Vertiefung in den Daten des europäischen CryoSat-2. Der Satellit kreist auf einer polaren Umlaufbahn um die Erde und misst mit seinem hochentwickelten Radar die Höhe bzw. Dicke von Eisschichten auf dem Meer und auf dem Land. Zusätzlich nutzten die Forscher ähnliche Daten des NASA-Satelliten ICESat. Ihre Resultate stellen sie im Fachblatt „Geophysical Research Letters“ vor.

Grafik zeigt farbcodiert Topografie der Ostantarktis und Ort des Kraters Grafik: ESA/M. McMillan

Der neu entdeckte Krater liegt im Viktorialand, westlich des Rossmeers, und hat eine Fläche von rund 260 Quadratkilometern. Nach Ansicht der Wissenschaftler dürfte er sich gebildet haben, als in den Jahren 2007 und 2008 sehr rasch etwa 6 Kubikkilometer Wasser aus dem See strömten und unter dem Eisschild abflossen. Derzeit hebt sich das Eis in der Senke wieder um knapp 6 Meter pro Jahr. Gemessen an dieser Rate, dürfte der ursprüngliche Wasserstand im See erst in einigen Jahren wiederhergestellt sein.

Heute sind mehrere Hundert Seen unter dem antarktischen Eis bekannt. Diese subglazialen Seen können sich überall dort bilden, wo der Druck der mächtigen Eisschicht und der Wärmestrom aus dem Erdinnern ausreichen, um das Eis an der Unterseite des Eisschilds zu verflüssigen. Bereits früher war beobachtet worden, dass in dieser Fluss- und Seenlandschaft schlagartig große Wassermassen mobilisiert werden können.

Forschung: Malcolm McMillan und Andrew Shepherd, School of Earth and Environment, University of Leeds; Robert Cullen, European Space Agency, Nordwijk; und andere

Veröffentlichung Geophysical Research Letters (im Erscheinen), DOI 10.1002/grl.50689

WWW:
School of Earth and Environment, University of Leeds
Subglacial Lakes
CryoSat, ESA

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Sturzbach unter antarktischem Eis

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