Posted in: Sonnensystem 11. Juli 2013 14:06 Weiter lesen →

Der Schweif des Sonnensystems

Kreisrundes Diagramm zeigt Querschnitt des Sonnenwinds mit energiearmen gelb-roten und energiereichen blauen Bereichen Nicht nur ein Komet beim Anflug auf die Sonne, auch das Sonnensystem selbst bildet einen Schweif aus. Entsprechende Resultate haben amerikanische Forscher bei der Auswertung von Sondendaten erhalten. Indem die Sonne durch das interstellare Medium pflügt, ist ihr Einflussbereich auf der „windabgewandten“ Seite zu einem leicht nach Backbord verdrehten Schweif ausgezogen.

Bild: NASA/IBEX

Zwar seien Schweife bereits bei anderen Sternen beobachtet worden, erklärt David McComas vom Southwest Research Institute und von der Universität im texanischen San Antonio. Über ein mögliches solares Gegenstück habe man jedoch kaum etwas gewusst. „Auf Bildern haben wir das Sonnensystem immer so dargestellt, dass es zu einer Seite hin irgendwie auslief, weil wir über die tatsächliche Form nicht einmal spekulieren konnten“, so der Astrophysiker.

Konkrete Anhaltspunkte liefern nun Daten, die der Interstellar Boundary Explorer, kurz IBEX, seit seinem Start im Jahr 2008 gesammelt hat. Die Sonde kreist um die Erde und registriert elektrisch neutrale Atome, die fortwährend aus verschiedenen Richtungen auf ihre Detektoren treffen. Solche Atome entstehen unter anderem, wenn geladene Teilchen des Sonnenwinds am Rand der Heliosphäre mit Teilchen des interstellaren Mediums kollidieren. Die IBEX-Zählungen zeigen, in welchen Raumrichtungen solche Kollisionen besonders häufig sind – etwa als Folge einer lang ausgezogenen Heliosphäre.

Diagramm zeigt Blick von außen auf das Sonnensystem mit Schweif und Feldlinien des interstellaren Magnetfelds Grafik: McComas et al.

Wie McComas und Kollegen im „Astrophysical Journal“ berichten, ist der Schweif des Sonnensystems nicht einheitlich aufgebaut. Ober- und unterhalb der Äquatorebene finden sich demnach besonders energiereiche neutrale Atome, entsprechend der höheren Energie des Teilchenwinds aus den polnahen Bereichen der Sonne. Die Struktur ist zudem um einige Grad zur Backbordseite des Sonnensystems geneigt, verursacht wahrscheinlich durch den Verlauf des interstellaren Magnetfelds quer zur Bewegungsrichtung der Sonne. Wie lang der Schweif des Sonnensystems ist, lässt sich anhand der Daten allerdings nicht sagen.

Forschung: David J. McComas und Maher Al-Dayeh, Southwest Research Institute, und Department of Physics and Astronomy, University of Texas, San Antonio; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 771(2), DOI 10.1088/0004-637X/771/2/77

WWW:
IBEX, Southwest Research Institute
The Large Scale Solar Wind

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