Posted in: Sterne 1. August 2013 09:25 Weiter lesen →

Astronomen finden Schwermetall-Zwerge

Grafik zeigt violett glimmenden, kompakten Stern Zwei Sterne mit einem extrem hohen Schwermetallgehalt hat eine nordirische Astronomengruppe entdeckt. Die beiden Zwergsterne waren bereits früher aufgefallen, da sie ungewöhnlich heiß sind für ihre geringe Größe. Nun stellte sich heraus, dass ihre äußeren Schichten zehntausendmal mehr Blei enthalten als die Sonne.

Grafik: C. S. Jeffery/POV-Ray

Diese ungewöhnliche Beobachtung könnte sich durch eine Schichtung verschiedener Elemente in der Atmosphäre der beiden Sterne erklären, vermuten Naslim Neelamkodan und ihre Kollegen von der Sternwarte Armagh. Ihrer Ansicht nach blicken Beobachter vielleicht direkt in eine bleireiche Wolkenschicht, die gut und gerne 100 Kilometer dick sein und mehrere Hundertmilliarden Tonnen Blei enthalten könnte.

Im Rahmen ihrer Studie untersuchte die Forschergruppe 9 Vertreter der heißen Unterzwerge. Diese Sterne haben wahrscheinlich einen großen Teil ihrer voluminösen Wasserstoffhülle eingebüßt und bringen es nur noch auf etwa eine halbe Sonnenmasse. Zudem sind sie dazu übergegangen, im großen Stil Helium statt Wasserstoff zu schwereren Elementen zu verschmelzen.

Bei der Analyse von Beobachtungsdaten des europäischen VLT-Observatoriums in Chile fanden die Forscher bei 2 ihrer Studienobjekte extreme Häufigkeiten des Schwermetalls Blei sowie der Übergangsmetalle Yttrium und Zirconium. Die beiden Unterzwerge mit den Bezeichnungen HE 2359-2844 und HE 1256-2738 sind 800 bzw. 1.000 Lichtjahre von der Sonne entfernt und weisen Oberflächentemperaturen von über 30.000 Grad Celsius auf. Zum Vergleich: An der Oberfläche der Sonne ist das Gas kaum 6.000 Grad heiß.

Die Kombination aus geringer Sterngröße und hohem Strahlungsdruck könnte die beobachteten Metallkonzentrationen erklären, spekulieren Naslim Neelamkodan, mittlerweile an der Academia Sinica in Taipeh tätig, und ihre Kollegen. Unter diesen besonderen Bedingungen könnten die Atome der einzelnen Elemente gemäß ihrer Masse in verschiedene Schichten sortiert werden. Im Fall der beiden Schwermetall-Zwerge scheint insbesondere die Bleischicht gerade so zu liegen, dass sie von Teleskopen gut erfasst werden kann.

Forschung: Naslim Neelamkodan, C. Simon Jeffery, Alan Hibbert und Natalie T. Behara, Armagh Observatory, Armagh, Institute of Astronomy and Astrophysics, Academia Sinica, Taipeh, und Institut d’Astronomie et d’Astrophysique, Université Libre de Bruxelles, Brüssel

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, DOI 10.1093/mnras/stt1091

WWW:
Armagh Observatory
Hot Subdwarfs
Institute of Astronomy and Astrophysics, Academia Sinica
Unterzwerg

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Weniger „Metall“ im Sonnenfeuer

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