Posted in: Sonnensystem 2. August 2013 17:05 Weiter lesen →

Schlafende Kometen

Grafik zeigt Schema des inneren Sonnensystems mit Jupiter und Asteroidengürtel, darin einige Kometen Im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter ziehen nicht nur Brocken aus Stein und Staub ihre Bahn. Viele der dort kreisenden Objekte bergen in ihrem Innern noch einen beträchtlichen Vorrat an Eis, sind kolumbianische Astronomen überzeugt. Sobald sich ihre Bahn leicht ändert, können diese Objekte demnach aktiv werden und einen typischen Kometenschweif bilden.

Bild: Ignacio Ferrín/Universidad de Antioquia

„Man muss sich nur einmal vor Augen führen, wie viele Asteroiden seit Äonen ohne Zeichen von Aktivität um die Sonne ziehen“, erklärt Ignacio Ferrín von der Universität von Antioquia in Medellín. „Wir haben entdeckt, dass einige davon nicht etwa tote Gesteinsbrocken sind, sondern schlafende Kometen, die zu neuem Leben erwachen können.“

Typische Kometen stammen aus den frostigen Außenbezirken des Sonnensystems und verlieren einen Teil ihres Eises in Form eines Schweifs, wenn sie kurzzeitig in den Bereich der inneren Planeten eintauchen. In den letzten Jahren ist jedoch auch im Asteroidengürtel selbst eine Handvoll kometenartiger Objekte entdeckt worden. Im Fachblatt „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ präsentieren Ferrín und Kollegen nun ein umfassendes Modell für das Auftreten dieser Hauptgürtel-Kometen.

Nur in einigen wenigen Fällen geht die Aktivität demnach auf Kollisionen zwischen einzelnen Asteroiden zurück. Viel häufiger geschieht es nach Ansicht der Astronomen, dass größere Objekte, die sich tief unter ihrer Oberfläche einen Vorrat an Eis bewahrt haben, durch die Schwerkraft des Jupiter auf eine leicht veränderte Umlaufbahn bugsiert werden. Der sonnennächste Punkt ihrer Bahn rückt dadurch etwas näher an die Sonne heran, sodass die dort empfangene Sonnenstrahlung den bislang gefrorenen Kern erwärmen kann. Das Eis geht in den gasförmigen Zustand über – und ein zuvor unauffälliges Objekt bildet einen Schweif aus Eis- und Staubpartikeln.

Sollte diese Hypothese zutreffen, könnte der Asteroidengürtel eine immense Zahl schlafender bzw. endgültig erloschener Kometen enthalten, so Ferrín und Kollegen. Und vielleicht habe der Bereich zwischen Mars und Jupiter einst ein gänzlich anderes Bild geboten als heute: Statt von einem guten Dutzend könnte er von Abertausenden aktiver Kometen bevölkert gewesen sein.

Forschung: Ignacio R. Ferrín Vázquez, Jorge Iván Zuluaga Callejas und Pablo Cuartas Restrepo, Instituto de Fisica, Facultad de Ciencias Exactas y Naturales, Universidad de Antioquia, Medellín

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, DOI 10.1093/mnras/stt839; Preprint arXiv:1305.2621

WWW:
Astronomía, Universidad de Antioquia
Main Belt Comets
The Comet Primer

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Komet erwacht zu neuem Leben
„Komet“ ist mögliches Kollisionsprodukt
Kometen im Asteroidengürtel

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