Posted in: Galaxien, Kosmos 8. August 2013 17:30 Weiter lesen →

Astronomen sehen sechsfach

Bild zeigt bläuliche und rötliche Lichtflecken auf schwarzem Hintergrund, einige mit Bezeichnungen versehen Auf ein optisches Phänomen mit Seltenheitswert ist eine internationale Astronomengruppe gestoßen. Das Licht einer fernen Galaxie wird durch die Schwerkraft eines Galaxienhaufens in mehrere Einzelbilder aufgespalten. Als Folge scheint sie in gleich sechs Ausführungen am Himmel zu stehen.

Die Bilder A-D sind gut erkennbar, E und F liegen in bzw. bei den Haufengalaxien G1 und G3 und sind weniger stark ausgeprägt. Bild: Håkon Dahle, Nordiske Optiske Teleskop/Univ. Kopenhagen

Die weit entfernte Galaxie sei die bislang einzige ihrer Art mit derart vielen Bildern, schreiben die Forscher um Håkon Dahle von der Universität Oslo und Johan Fynbo von der Universität Kopenhagen im Fachblatt „Astrophysical Journal“. Auch der große Winkelabstand der Bilder mache die neue Gravitationslinse zu einem echten Ausnahmefall.

Gravitationslinsen können Astrophysikern helfen, die Verteilung großer Massen im Kosmos zu kartieren und so auch mehr über Menge und Natur der rätselhaften Dunklen Materie in Erfahrung zu bringen. Bereits seit einiger Zeit fahnden Dahle, Fynbo und Kollegen in den Archiven einer groß angelegten Himmelsdurchmusterung, dem Sloan Digital Sky Survey, nach solchen kosmischen Lichtspielen.

Fündig wurden die Forscher nun bei dem Quasar SDSS J2222+2745. Diese Galaxie ist so weit von der Milchstraße entfernt, dass ihr Licht mehr als 11 Milliarden Jahre für den Weg bis in irdische Teleskope benötigt hat. Dabei hat es einen Galaxienhaufen in rund 5 Milliarden Lichtjahren Entfernung passiert, der es mit seiner immensen Schwerkraft ablenkt wie eine Linse. Schon bei der Begutachtung der Archivdaten entdeckten die Forscher 3 resultierende Bilder des Quasars. Folgebeobachtungen mit einem Teleskop auf der Kanareninsel La Palma enthüllten dann ein 4. und 5. Bild und lieferten Hinweise auf ein 6. Bild.

Damit nicht genug: Linsenbilder treten wahrscheinlich stets in ungerader Zahl auf, sodass noch ein 7. Bild der Entdeckung harren könnte. Dahle, Fynbo und Kollegen wollen diesem Bild nun mit weiteren Beobachtungen nachspüren. Zudem vermessen sie regelmäßig alle Einzelbilder, um anhand zeitverzögerter Helligkeitsschwankungen mehr über die unterschiedlichen Wege des Lichts und damit über den Aufbau des Galaxienhaufens im Vordergrund herauszufinden.

Forschung: Håkon Dahle, Institutt for teoretisk astrofysikk, Universitetet i Oslo; Johan P. U. Fynbo, Dark Cosmology Centre, Niels Bohr Institutet, Københavns Universitet; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 773(2), 146, DOI 10.1088/0004-637X/773/2/146; Preprint arXiv:1211.1091

WWW:
Cosmology Group, Universität Oslo
Dark Cosmology Centre, Universität Kopenhagen
Geschichte der Gravitationslinsen
Quasars
Nordic Optical Telescope

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Astronomen: Erster Beleg für Dunkle Materie
Größte Gravitationslinse gefunden
Dunkle Materie in Galaxienhaufen kartiert

Posted in: Galaxien, Kosmos
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (2 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.