Posted in: Sterne 29. August 2013 14:24 Weiter lesen →

Rechnernetz findet 24 Pulsare

Grafik zeigt Pulsar als rötliche Kugel mit bläulichen Magnetfeldlinien und violetten Strahlungskegeln Die Entdeckung von gleich 2 Dutzend Pulsaren, rasch rotierenden Sternleichen, vermeldet eine internationale Forschergruppe. Möglich wurde der Erfolg durch die Mitarbeit von Freiwilligen in aller Welt, die ihre rund 200.000 Computer zu einem extrem leistungsfähigen Rechnernetz zusammengeschlossen hatten.

Grafik: NASA

„Durch die Beteiligung der Öffentlichkeit haben wir in der Milchstraße 24 neue Pulsare entdeckt, die zuvor übersehen wurden, einige davon besonders interessante Exemplare“, erklärt Benjamin Knispel vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Hannover. Der Forscher und seine Kollegen hatten im Rahmen ihres Projekts Einstein@Home das weltweite Rechnernetz eingespannt, um Archivdaten des australischen Parkes-Radioteleskops besonders gründlich nach schwachen, aber regelmäßigen Strahlungspulsen zu durchsuchen.

Pulsare bestehen aus der Asche ausgebrannter Sterne, die unter ihrem eigenen Gewicht zu beinahe reiner Kernmaterie kollabiert ist. Diese Neutronensterne drehen sich um ihre eigene Achse und senden dabei wie ein Leuchtturm enge Strahlungskegel aus. Streift ein solcher Kegel die Erde, wird dies als namensgebender Strahlungspuls registriert. Da Pulsare die Masse einer Sonne in einer Kugel von nur etwa 20 Kilometern Durchmesser vereinen, weisen sie ein extrem starkes Schwerefeld auf. Aus diesem Grund sind sie begehrte Studienobjekte für Gravitationsforscher.

Unter den 24 neu entdeckten Pulsaren finden sich 6 Exemplare, die Teil eines Doppelsternsystems sind. Diese Pulsare kreisen mit einem zweiten stellaren Objekt um den gemeinsamen Schwerpunkt. Für die Forscher sind diese Pulsare besonders interessant, da sich ihre Vorgeschichte und ihre aktuellen Eigenschaften umfassender rekonstruieren lassen als bei einzelgängerischen Exemplaren.

„Unsere Entdeckungen beweisen, dass verteilte Rechenprojekte wie Einstein@Home eine sehr wichtige Rolle in der modernen datenbasierten Astronomie spielen“, so Knispels Institutskollege Bruce Allen. „Wir erwarten, dass verteiltes Rechnen für die astronomische Datenanalyse zukünftig noch wichtiger werden wird.“ In einem ihrer nächsten Projekte wollen die Forscher das Rechnernetz nutzen, um Beobachtungsdaten des großen Radioteleskops bei Effelsberg in der Eifel nach engen Doppelsternsystemen zu durchsuchen.

Forschung: Benjamin Knispel und Bruce Allen, Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik, Hannover, Institut für Gravitationsphysik, Universität Hannover, und Physics Department, University of Wisconsin, Milwaukee; Ralph Eatough, Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn; Ben W. Stappers, Jodrell Bank Centre for Astrophysics, University of Manchester; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 774(2), 93, DOI 10.1088/0004-637X/774/2/93; Preprint arXiv:1302.0467

WWW:
Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik
Einstein@Home
An Introduction to Pulsars

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