Posted in: Galaxien, Sterne 4. September 2013 15:21 Weiter lesen →

Nebelhafte Kompassnadeln

Bild zeigt gleißend hellen Stern, zwei halbkugelförmige Schalen aus rötlich glimmendem Gas ausstoßend In der Milchstraße herrscht mehr Ordnung als gemeinhin angenommen. Diesen Schluss legen verblüffende Beobachtungen zweier englischer Astrophysiker nahe. In der zentralen Verdickung der Galaxis weisen die Drehachsen vieler Sternsysteme demnach in die gleiche Richtung – und das, obwohl ein direkter Kontakt zwischen den Systemen aufgrund der immensen Abstände unmöglich ist.

Der Planetarische Nebel PN G111.8-02.8, auch als Hubble 12 bezeichnet. Bild: NASA/ESA/Josh Barrington

„Das ist ein wirklich überraschendes Resultat und – sollte es sich als richtig erweisen – obendrein ein überaus wichtiges“, erklärt Bryan Rees von der University of Manchester. Eine denkbare Erklärung für das Phänomen liege in starken Magnetfeldern im interstellaren Raum, schreiben Rees und sein Institutskollege Albert Zijlstra in den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“.

Rees und Zijlstra nutzten ein Teleskop der Europäischen Südsternwarte in Chile und das Weltraumteleskop Hubble, um 130 Planetarische Nebel in der zentralen Verdickung der Milchstraße zu beobachten. Trotz ihres Namens werden diese oft farbenprächtigen Nebel nicht von Planeten erzeugt, sondern von alternden Sternen, die einen Teil ihrer Gashülle abstoßen und von innen heraus zum Leuchten bringen.

Planetarische Nebel sind nicht immer kugelrund. Von den 130 beobachteten Exemplaren erinnern 44 vielmehr an eine Sanduhr, da sich die Gasmassen bei ihnen in Form zweier Kegel in entgegengesetzte Richtungen ausbreiten. Verblüffenderweise sind diese 44 bipolaren Nebel oft so ausgerichtet, dass sie parallel zur Scheibe der Milchstraße liegen, fanden Rees und Zijlstra. Bei den übrigen, mehr oder weniger elliptisch geformten Nebeln war die Orientierung dagegen erwartungsgemäß zufällig.

Nach Ansicht der beiden Forscher könnten Magnetfelder im rund 16.000 Lichtjahre weiten Zentralbereich der Milchstraße die einheitliche Orientierung der bipolaren Nebel erklären. Große Gaswolken, die Geburtsstätten von Sternen, sollten entlang magnetischer Feldlinien schneller in sich zusammenfallen als senkrecht dazu. In den resultierenden, tendenziell pfannkuchenförmigen Wolken könnten besonders oft Doppelsternsysteme entstehen, deren Rotationsachsen parallel zu den Feldlinien liegen – und in der Folge auch die Längsachsen der aus ihnen hervorgehenden bipolaren Nebel.

Um diesen Effekt entfalten zu können, müssten die Magnetfelder während der Entstehung der Sternsysteme allerdings um ein Vielfaches stärker gewesen sein als heute in der Nachbarschaft der Sonne, erläutert Zijlstra. Aus der Beobachtung Planetarischer Nebel könne man also viel lernen, so der Astrophysiker. „Sollten sie sich tatsächlich auf diese unerwartete Art und Weise verhalten, würden sich daraus Konsequenzen nicht nur für die Vergangenheit einzelner Sterne ergeben, sondern für die Vergangenheit unserer gesamten Galaxis.“

Forschung: Bryan Rees und Albert Zijlstra, Jodrell Bank Centre for Astrophysics, School of Physics and Astronomy, The University of Manchester

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (im Erscheinen); Preprint arXiv:1307.5711

WWW:
Galactic Astrophysics, University of Manchester
New Technology Telescope, ESO
A Planetary Nebula Sampler

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Kosmischer Drall
Astronomen finden „Supernebel“
Hunderte Planetarischer Nebel entdeckt

Posted in: Galaxien, Sterne
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (3 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.