Posted in: Galaxien 24. September 2013 14:00 Weiter lesen →

Fossiler Schein über der Milchstraße

Grafik zeigt glimmenden Strudel um Schwarzes Loch, in 2 Kegeln nach oben und unten abgestrahlte Energie Vor etwa 2 Millionen Jahren pumpte das Herz der Milchstraße vorübergehend immense Energiemengen ins All. Diesen Schluss legen Berechnungen australischer und amerikanischer Astrophysiker nahe. Das Glimmen eines Gasstroms in der Nähe der Milchstraße lässt sich demnach nur durch einen kurzen, aber umso stärkeren Strahlungsausbruch im galaktischen Zentrum erklären.

Grafik: NASA/Dana Berry/SkyWorks Digital

Offenbar sei damals binnen kurzer Zeit viel Materie in das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße gestürzt, so Joss Bland-Hawthorn von der Universität Sydney. Die dabei freigesetzte Strahlung könne nicht nur das rätselhafte Glimmen des Magellanschen Stroms erklären. Auch die beiden kürzlich entdeckten Gammastrahlungs-Blasen über und unter der Scheibe der Milchstraße könnten auf diese Periode außergewöhnlicher Aktivität zurückgehen, schreiben der Forscher und seine Kollegen im „Astrophysical Journal“.

Seit Mitte der 90er-Jahre wissen Astronomen um das Glimmen des Magellanschen Stroms. Dieser Gasstrom entspringt in den Magellanschen Wolken, zwei Begleitgalaxien der Milchstraße, und erstreckt sich im weiten Bogen über den Himmel. In jenem Bereich, der über dem Südpol der Milchstraße liegt, sendet sein Wasserstoffgas um ein Vielfaches mehr sichtbares Licht aus, als es die Anregung durch Sternenlicht bewirken könnte. „Tatsächlich liefern Sterne nur ein Hundertstel der nötigen Energie“, so Bland-Hawthorn.

Der Astrophysiker und seine Kollegen vermuten daher, dass das Wasserstoffglimmen die Nachwehen eines Strahlungsstoßes darstellt. Laut dem Modell der Forscher wurde das Gas in der Vergangenheit von intensiver ultravioletter Strahlung aus dem Zentrum der Milchstraße getroffen und ionisiert. Im Laufe der Zeit konnten die Atomkerne erneut Elektronen einfangen und die energetische Anregung des Gases klang allmählich ab. Anhand der heutigen Stärke des Glimmens schätzen die Forscher, dass seit dem Strahlungsstoß 0,9 bis 2,6 Millionen Jahre vergangen sind.

Offenbar sei das supermassereiche Schwarze Loch damals um das Hundertmillionenfache aktiver gewesen als heute, so Bland-Hawthorn weiter. Die seitdem verstrichene Zeit ist nur ein Lidschlag, gemessen am Alter der Galaxis von einigen Jahrmilliarden. Auch künftig werde es immer wieder zu einem Aufflackern im Zentrum der Milchstraße kommen, betont der Forscher, und das vielleicht schon sehr bald: „Es gibt dort die Gaswolke G2, die nach Ansicht von Astronomen im nächsten Jahr in das Schwarze Loch stürzen wird. Sie ist zwar klein, aber wir freuen uns schon auf das Feuerwerk!“

Forschung: Joss Bland-Hawthorn, School of Physics, University of Sydney; Philip R. Maloney, Center for Astrophysics and Space Astronomy, University of Colorado, Boulder; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal (im Erscheinen); Preprint arXiv:1309.5455; Präsentation auf der Galaxy Evolution Conference, Sydney

WWW:
Sydney Institute for Astronomy
The Milky Way Galaxy
Magellanic Stream

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