Posted in: Galaxien, Kosmos 17. Oktober 2013 16:00 Weiter lesen →

Astronomen finden Rekord-Linse

Pixeliges Bild zeigt orange-gelben Fleck, umgeben von einem blau-violetten Ring Manche Galaxien wirken wie eine Linse, indem sie das Licht hinter ihnen gelegener Objekte ablenken. Das am weitesten entfernte Exemplar einer solchen Gravitationslinse haben Heidelberger Astronomen entdeckt. Durch die Linse wird Licht einer Hintergrundgalaxie sichtbar, das vor 11,8 Milliarden Jahren in der Kindheit des Universums ausgesandt wurde.

Bild: MPIA / A. van der Wel

Dieses Licht traf nach einer Reise von 2,4 Milliarden Jahren auf die als Linse wirkende Galaxie, um weitere 9,4 Milliarden Jahre später von irdischen Teleskopen aufgefangen zu werden, ermittelten Arjen van der Wel vom Max-Planck-Institut für Astronomie und seine Kollegen. Die bemerkenswerte Konstellation ermögliche Einblicke in die Frühzeit des Universums und – da die Linsenwirkung von der Gesamtmasse in der Linsengalaxie abhänge – Rückschlüsse über deren Gehalt an Dunkler Materie, so die Forscher.

Van der Wel war in Beobachtungsdaten vom Large Binocular Telescope in Arizona auf das ungewöhnliche Objekt gestoßen. Dieses „sah aus wie eine extrem junge Galaxie und schien in einer Entfernung zu liegen, die sogar noch größer war als der Entfernungsbereich, auf den wir es abgesehen hatten“, erinnert sich der Forscher. Gemeinsam mit europäischen und amerikanischen Kollegen studierte der Astronom daher zusätzlich Aufnahmen, die das Weltraumteleskop Hubble gemacht hatte. Ihre Resultate stellt die Gruppe im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“ vor.

Bei dem seltsamen Objekt handelt es sich demnach um 2 Galaxien, die beinahe perfekt auf einer einzigen Sichtlinie zur Erde liegen. Die weiter entfernte Galaxie ist sehr jung, durchlebt gerade eine Phase reger Sternentstehung und bringt es auf etwa 100 Millionen Sonnenmassen. Ihr Bild wird durch die näher gelegene Galaxie zu einem Ring verformt und dabei um den Faktor 40 vergrößert. Der Radius dieses Einsteinrings lässt wiederum auf eine Masse von 800 Millionen Sonnen bei der Linsengalaxie schließen. Davon dürften höchstens 60 Prozent in Form Dunkler Materie vorliegen, schätzen die Forscher.

Forschung: Arjen van der Wel, Glenn van de Ven, Michael Maseda und Hans-Walter Rix, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg; Dale D. Kocevski, Department of Physics and Astronomy, University of Kentucky, Lexington; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters (im Erscheinen); Preprint arXiv:1309.2826

WWW:
Galaxies and Cosmology, MPI für Astronomie
Geschichte der Gravitationslinsen
Large Binocular Telescope Observatory
Hubble

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
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Erster Beleg für Dunkle Materie

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