Posted in: Sonnensystem 22. Oktober 2013 10:18 Weiter lesen →

Zerfallender Komet entdeckt

Bild zeigt helle Flecken vor dunklem Hintergrund, Einschub zeigt einen dieser Flecken als aus 3 Teilen bestehend Ein vor wenigen Wochen entdeckter Komet könnte ungeahnte Einblicke in das Innere dieser Himmelskörper gewähren – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Spanische Astrophysiker haben festgestellt, dass das Objekt erst kürzlich in mehrere Fragmente zerfallen ist, die nun Seite an Seite im Asteroidengürtel um die Sonne ziehen.

Bild: Licandro et al., GTC/IAC/IAA

Der neue Hauptgürtel-Komet könnte helfen, eine Reihe offener Fragen zu beantworten, hofft Javier Licandro vom Astrophysikalischen Institut der Kanaren. In den letzten Jahren seien mehrere kometenartige Objekte mit Schweif und Gashülle im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter entdeckt worden, so der Forscher. Mit ihrer seltsamen Merkmalskombination stellten diese Objekte jedoch ein Rätsel dar.

Typische Kometen stammen aus den Randbezirken des Sonnensystems und bestehen aus staubigem Eis, das sich bei Annäherung an die Sonne verflüchtigt. Lediglich aus Gestein bestehende Asteroiden sollten solche Merkmale nicht entwickeln können. „Umgekehrt sollte es für einen typischen Kometen aus Gründen der Himmelsmechanik praktisch unmöglich sein, in die Umlaufbahn eines Asteroiden zu gelangen“, so Licandro.

Die Gruppe um Licandro und seinen Kollegen Fernando Moreno vom Andalusischen Astrophysikalischen Institut nutzte das 10,4-Meter-Großteleskop auf der Kanareninsel La Palma, um den Hauptgürtel-Kometen P/2013 R3 zu beobachten. Der Himmelskörper war erst Ende September entdeckt worden. Kurz darauf war aufgefallen, dass sein Kern offenbar aus 2 Teilen besteht.

Die neuen, vor wenigen Tagen angestellten Beobachtungen offenbaren nun, dass es sich tatsächlich um 4 Objekte handelt. Neben dem Kern zeigen die hochauflösenden Teleskopbilder 2 große Komponenten in höchstens 3.000 Kilometern Entfernung vom Kern sowie 1 kleine Komponente in gut 32.000 Kilometern Entfernung. Alle 4 Teile ziehen gemeinsam um die Sonne und bewegen sich, soweit derzeit feststellbar, nicht voneinander weg. Daher dürften sie aus einem einzigen Körper hervorgegangen sein.

„Ursache für das Auseinanderbrechen könnte eine Kollision sein, ein durch die Eigenrotation hervorgerufener Riss oder ein Aktivitätsausbruch“, erklärt Moreno. Derzeit bereite man weitere Beobachtungen vor, um Näheres in Erfahrung zu bringen. Außerdem wollen die Forscher Lichtspektren des Kerns und seiner Bruchstücke aufnehmen, um deren chemische Zusammensetzung bestimmen zu können. „Wir haben es hier mit einem äußerst interessanten Objekt zu tun, nicht nur weil es ziemlich hell ist, sondern auch wegen der Aussicht, dort möglicherweise Gase nachzuweisen“, so der Astrophysiker weiter. „Das ist etwas, was niemals zuvor bei einem Hauptgürtel-Kometen gelungen ist.“

Forschung: Javier Licandro, Instituto de Astrofísica de Canarias, La Laguna; Fernando Moreno Danvila, Departamento de Sistema Solar, Instituto de Astrofísica de Andalucía, Granada; und andere

WWW:
Instituto de Astrofísica de Canarias
Gran Telescopio Canarias
Instituto de Astrofísica de Andalucía
Main-Belt Comets
Daten und Bahndiagramm P/2013 R3

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Schlafende Kometen
„Komet“ ist mögliches Kollisionsprodukt

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