Posted in: Sonnensystem 7. November 2013 17:00 Weiter lesen →

Entdeckt: Der Rasensprenger-Asteroid

2 Bilder zeigen hellen Lichtfleck vor dunklem, verrauschtem Hintergrund, umgeben von mehreren zarten Schweifen Ein Übermaß an Schwung kann dazu führen, dass sich manche Asteroiden verhalten wie Kometen. Diesen Schluss zieht eine amerikanisch-deutsche Forschergruppe aus Beobachtungen eines verwirrenden Objekts im Asteroidengürtel. Dieses scheint sich derart rasch um die eigene Achse zu drehen, dass es Material in Form von gleich 6 Schweifen ins All verliert.

Der Asteroid P/2013 P5 am 10. und am 23. September dieses Jahres. Bilder: NASA/HST

„Allein diese Anzahl spricht dagegen, dass die Schweife auf Kollisionen oder Einschläge zurückzuführen sind“, erklärt Jessica Agarwal vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau. Sechs Einschläge binnen kurzer Zeit seien sehr unwahrscheinlich. Auch eine Verflüchtigung von Eis könne man so gut wie ausschließen, argumentieren die Forscherin und ihre Kollegen im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“.

Der merkwürdige Asteroid mit der Bezeichnung P/2013 P5 war erst im August dieses Jahres im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter entdeckt worden. Schon die ersten Bilder ließen einen Schweif erkennen. Der etwa 240 Meter große Neuling gesellte sich damit zu einem guten Dutzend von Objekten, die mal als Hauptgürtel-Kometen und mal als aktive Asteroiden bezeichnet werden und deren Existenz die Forschung vor eine Herausforderung stellt.

Die Gruppe um Agarwal und ihren Kollegen David Jewitt von University of California in Los Angeles nutzte das Weltraumteleskop Hubble, um mehr über die Natur von P/2013 P5 zu erfahren. Die in einem Abstand von 2 Wochen aufgenommenen Bilder zeigen, dass das Objekt 6 Schweife besitzt, die wie Radspeichen angeordnet sind. Einer dieser Schweife nahm zwischen den beiden Beobachtungen an Helligkeit und Länge zu, während 4 andere schwächer wurden.

Laut derzeitigem Verständnis kann ein Komet aus dem äußeren Sonnensystem heute nicht mehr in den Asteroidengürtel gelangen – zumindest nicht an dessen inneren Rand, wo P/2013 P5 seine Bahn zieht. Umgekehrt sollten dort entstandene Objekte nach einer teils hitzigen Frühphase längst alle verbliebenen flüchtigen Bestandteile unter dem Einfluss der Sonnenstrahlung ausgedünstet haben. Das Sonnenlicht kann einen Asteroiden aber auch so stark in Rotation versetzen, dass die Fliehkraft über die schwache Schwerkraft obsiegt und der lockere Gesteinsbrocken nach und nach an Zusammenhalt verliert. Im Fall von P/2013 P5 sei dies die einzige verbleibende Erklärung, folgern die Forscher.

„Vieles spricht dafür, dass die sogenannten aktiven Asteroiden keine einheitliche Gruppe bilden“, so Agarwal weiter. Einige hätten sich vermutlich tief in ihrem Innern einen Eisvorrat bewahrt, der bei energiereichen Einschlägen freigelegt werde. In anderen Fällen könnte es sich bei den Schweifen dagegen um kurzlebige, ebenfalls einschlagbedingte Staubfontänen handeln. „Bei den meisten dieser Körper ist jedoch der Ursprung des Schweifs völlig unklar“, so die Forscherin.

Forschung: David Jewitt, Department of Earth and Space Sciences und Department of Physics and Astronomy, University of California at Los Angeles; Jessica Agarwal, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Katlenburg-Lindau; Harold Weaver, Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory, Laurel; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters (im Erscheinen), Preprint arXiv:1311.1483

WWW:
David Jewitt, UC Los Angeles
Main-Belt Comets
Kleine Körper im Sonnensystem, MPI für Sonnensystemforschung
P/2013 P5

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