Posted in: Mond 26. November 2013 19:03 Weiter lesen →

Mehr Staub auf dem Mond

Foto zeigt Raumanzug-Schuh, einen Abdruck in der staubigen Mondoberfläche hinterlassend Auf dem Mond staubt es stärker als gedacht. Das hat ein australisches Forscherduo anhand verschollen geglaubter Daten der amerikanischen Apollo-Missionen ermittelt. Verglichen mit irdischen Verhältnissen wächst eine Staubschicht auf dem Mond allerdings traumhaft langsam – um nur etwa 1 Millimeter pro Jahrtausend.

Foto: NASA/Neil Armstrong

Dieser Wert liege gleichwohl um den Faktor 10 höher als bislang angenommen, erklärt Brian O’Brien von der Universität von Westaustralien. „Und wie die Apollo-Astronauten erfahren mussten, können schon geringe Staubmengen einem das Leben zur Hölle machen.“ Nicht nur, dass die feinen Mineralkörner an jeglichen Oberflächen inklusive der menschlichen Haut haften blieben. Mindestens einer der Raumfahrer habe sogar unter einem regelrechten Mondstaub-Heuschnupfen gelitten.

O’Brien und seine Kollegin Monique Hollick analysierten Messungen eines kleinen Staubmessers, der in den Jahren 1969–71 im Rahmen der Missionen Apollo 12, 14 und 15 auf dem Mond platziert worden war. Dieser Lunar Dust Detector besteht im Wesentlichen aus Solarzellen, die bei Lichteinfall umso weniger elektrische Spannung liefern, je stärker ihre Oberfläche durch Staub oder energiereiche Strahlung getrübt wird.

Die beiden Forscher nutzten Daten, die bis ins Jahr 1976 gesammelt worden waren. Anhand der Auswirkungen eines starken Teilchenschauers von der Sonne schätzen sie, dass solare bzw. kosmische Strahlung insgesamt nur wenig zu dem allmählichen Spannungsabfall der Solarzellen beigetragen hat. Den weitaus stärkeren Effekt schreiben sie wenige Hundertstel Millimeter großen Staubkörnchen zu, von denen sich jährlich bis zu 100 Millionstel Gramm pro Quadratzentimeter auf den Zellen ablagern.

„Für künftige Mondmissionen könnte dies ein Problem darstellen“, so O’Brien mit Blick auf Pläne für langfristig besetzte Mondstationen. Die Gründe für die unerwartet starke Staubablagerung seien noch unklar. Bislang habe man angenommen, Staub werde auf dem Mond hauptsächlich durch Einschläge von Meteoriten und Mikrometeoriten emporgeschleudert. „Das reicht aber nicht aus, um unsere Messungen zu erklären“, ist der Forscher überzeugt. Offenbar habe man die unterschiedliche Elektrisierung durch Sonnenlicht und Sonnenwind und die resultierenden elektrostatischen Kräfte unterschätzt.

Forschung: Monique Hollick und Brian J. O’Brien, School of Physics, University of Western Australia, Crawley

Veröffentlichung Space Weather, DOI 10.1002/2013SW000978

WWW:
School of Physics, University of Western Australia
Apollo, NASA
Lunar Dust Detector, Apollo 12
Lunar Soil

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