Posted in: Galaxien 11. Dezember 2013 15:52 Weiter lesen →

Forscher finden „zeitlose“ Galaxie

Bild zeigt gelbe bis violette, ovale Lichtflecken vor schwarzem Hintergrund, einer mit einem Fadenkreuz markiert Eine Galaxie, an der die Zeit scheinbar vorübergegangen ist, haben spanische und amerikanische Astrophysiker identifiziert. Gemessen an seinem Lichtspektrum, hat das Objekt vor mehr als 10 Milliarden Jahren in rascher Folge Sterne hervorgebracht, sich seitdem aber kaum noch verändert.

Bild: Sloan Digital Sky Survey/IAC

„Aus irgendeinem, noch unbekannten Grund wurde dieses galaktische Relikt von dem üblichen Nachschub an Gas und Sternen abgeschnitten“, erklärt Ignacio Trujillo vom Astrophysikalischen Institut der Kanaren und von der Universität La Laguna. Typischerweise entwickelten sich Galaxien durch Begegnungen oder gar Verschmelzungen mit anderen Galaxien weiter. Die Galaxie mit der Bezeichnung NGC 1277 scheine dagegen isoliert geblieben zu sein: „Als Folge fror sie förmlich in der Zeit ein.“

NGC 1277 war bereits im 19. Jahrhundert entdeckt worden und liegt im Perseus-Galaxienhaufen. Die Galaxie enthält Sterne mit einer Gesamtmasse von rund 120 Milliarden Sonnen und ist somit vom ähnlichen Kaliber wie die Milchstraße. Wie diese, ist sie bereits in der Frühzeit des Universums entstanden, nämlich in den ersten Jahrmilliarden nach dem Urknall. Damit enden die Parallelen jedoch, berichten Trujillo und Kollegen im „Astronomical Journal“.

Die Forscher nutzten für ihre Studie das Datenarchiv des Weltraumteleskops Hubble und stellten eigene Beobachtungen mit einem Spiegelteleskop auf La Palma an. Zu ihrer Verblüffung fanden sie, dass die Sterne in NGC 1277 durchweg ein hohes Alter von mehr als 10 Milliarden Jahren aufweisen und offenbar binnen weniger Millionen Jahre entstanden sind. In der Milchstraße verdichten sich dagegen auch heute noch Gasschwaden zu neuen Sternen, sodass hier stellare Säuglinge von wenigen Millionen Jahren neben tausendmal älteren Senioren stehen.

Als eine Art lebendes Fossil eröffne NGC 1277 einzigartige Einblicke in die Frühzeit des Universums, sind Trujillo und Kollegen überzeigt. Das gelte umso mehr, als die Galaxie in einer Entfernung von 240 Millionen Lichtjahren und damit in der kosmischen Nachbarschaft der Milchstraße liege. Mit heutigen Teleskopen könne man ihren Aufbau und ihre Dynamik daher sehr genau studieren.

Forschung: Ignacio Trujillo, Instituto de Astrofísica de Canarias und Departamento de Astrofísica, Universidad de La Laguna; Anna Ferré-Mateu, Subaru Telescope, Hilo; Patricia Sánchez-Bláquez, Departamento de Física Teórica, Universidad Autónoma de Madrid; und andere

Veröffentlichung Astronomical Journal (im Erscheinen); Preprint arXiv:1310.6367

WWW:
Ignacio Trujillo, Instituto de Astrofísica de Canarias
Evolution of Galaxies
Timeline of the Universe

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Lebendes galaktisches Fossil
Alte Galaxie mit neuem Schwung

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