Posted in: Planeten 12. Dezember 2013 17:00 Weiter lesen →

Wasser über Europa

Grafik zeigt Dampffontäne über Eis, am Himmel ein riesiger Gasplanet Aus dem Jupitermond Europa könnten regelmäßig dünne Fontänen von Wasserdampf emporschießen. Entsprechende Hinweise haben deutsche Forscher mithilfe des Weltraumteleskops Hubble gefunden. Ihre Beobachtungen enthüllten einen kurzlebigen, aber deutlich ausgeprägten Überschuss von Wasserstoff und Sauerstoff über der Südpolregion Europas.

Grafik: K. Retherford, Southwest Research Institute

Das Phänomen war im Dezember letzten Jahres nachweisbar, als Europa sich gerade am jupiterfernsten Punkt seiner leicht elliptischen Umlaufbahn befand, berichten Lorenz Roth und Joachim Saur von der Universität Köln und vom US-amerikanischen Southwest Research Institute gemeinsam mit amerikanischen Kollegen im Magazin „Science“. Eine mögliche Ursache seien Risse, die sich unter der Einwirkung wechselnder Gezeitenkräfte in der Eiskruste des Mondes öffneten und Wasser aus einem darunter liegenden Ozean entweichen ließen.

Roth, Saur und Kollegen führten ihre Ultraviolett-Beobachtungen im Dezember und November 2012 durch und analysierten zudem Beobachtungsdaten aus dem Oktober 1999. Lediglich bei der jüngsten Beobachtung fanden sie über dem Rand der Scheibe Europas zwei Bereiche, die stark erhöhte Konzentrationen von energetisch angeregten Wasserstoff- und Sauerstoffatomen aufwiesen. Den Modellrechnungen der Forscher zufolge, bildete das Material zwei bis zu 200 Kilometer hohe Gasfahnen.

Foto von Europa als beigefarbener Eiswelt mit dunklen Rissen, blaue Quadrate markieren Resultate der UV-Beobachtunge Bild: Lorenz Roth, Southwest Research Institute/USGS

Bei den beiden übrigen, unauffälligen Beobachtungen befand sich Europa dagegen nahe seines jupiterfernsten Punkts. Möglicherweise zeige sich auf dem Jupitermond ein ganz ähnliches Phänomen wie auf dem eisigen Saturnmond Enceladus, so die Forscher. Die wässrigen Fontänen über dessen Südpol werden mit der Annäherung an den planetenfernsten Punkt stärker, um danach wieder an Intensität zu verlieren. Eine Erklärung für diesen Takt ist, dass sich Risse in der Eiskruste von Enceladus weiten, wenn die Gezeitenkräfte nachlassen und der Mond von einer leicht in die Länge gezogenen in eine eher kugelrunde Form übergeht.

Forschung: Lorenz Roth und Joachim Saur, Southwest Research Institute, San Antonio, und Institut für Geophysik und Meteorologie, Universität zu Köln; und andere

Veröffentlichung Science, 12. Dezember 2013, DOI 10.1126/science.1247051, und Präsentation AGU Fall Meeting, San Francisco, #P42A-01

WWW:
Space Science, Southwest Research Institute
Arbeitsgruppe Weltraumgeophysik, Uni Köln
Europa
Hubble

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