Posted in: Galaxien, Sterne 17. Dezember 2013 14:22 Weiter lesen →

Milchstraße hat vier Arme

Illustration der Milchstraße als Spiralgalaxie mit hellem Balken im Zentrum, 4 Spiralarme, rot markiert die ermittelten Sternpositionen Die Milchstraße hat vier große Spiralarme. Entsprechende Resultate liefert ein langjähriges Beobachtungsprojekt europäischer und amerikanischer Astronomen, in dessen Rahmen mehr als 1.600 junge Sterne vermessen wurden. Die räumliche Verteilung der stellaren Jungspunde passt gut zu einem Modell der heimischen Galaxis mit vier und nicht, wie zuletzt gemutmaßt, lediglich zwei größeren Armen.

Eine Karte der vermessenen Massive Young Stellar Objects (rot). Grafik: J. Urquhart et al. Hintergrundbild: Robert Hurt of the Spitzer Science Center.

Die neuen Resultate bestätigten das klassische Bild vom Aufbau der Milchstraße, erklärt Melvin Hoare von der Universität im englischen Leeds. Zudem „helfen sie uns zu verstehen, wo und warum in einer typischen Spiralgalaxie neue Sterne geboren werden“. Die Gruppe um Hoare und seinen Kollegen James Urquhart vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn stellt ihre Ergebnisse in den „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“ vor.

Während sich ferne Galaxien auf Teleskopaufnahmen in ihrer vollen Pracht präsentieren, ist die Struktur der heimischen Milchstraße nur schwer zu bestimmen. Das liegt nicht nur an der Lage des Sonnensystems in der Galaxis, sondern auch an Staub- und Gasschwaden, die den Blick innerhalb der galaktischen Scheibe verschleiern.

Hoare, Urquhart und Kollegen nutzten für ihre Studie Daten, die der Infrarotsatellit MSX des US-Militärs in den 90er-Jahren gesammelt hatte. Anhand des typischen Glimmens identifizierten sie heiße und kurzlebige Sterne mit einem Vielfachen der Sonnenmasse, die noch von den Resten ihrer Geburtswolke umgeben sind. Durch ausführliche Beobachtungen mit weiteren Teleskopen konnten sie die Entfernung der Jungspunde vom Sonnensystem bestimmen.

Eine Karte der so ermittelten Sternpositionen stimmt gut mit einem Modell überein, dem zufolge die Milchstraße vier größere Spiralarme besitzt – nach den Sternbildern, die sie aus Sicht irdischer Beobachter durchziehen, als Norma-, Sagittarius-, Perseus- und Scutum-Centaurus-Arm bezeichnet.

In den letzten Jahren hatten mehrere Studien Hinweise auf lediglich zwei große Spiralarme geliefert, so etwa eine Erfassung von über 100 Millionen Sternen mit dem Weltraumteleskop Spitzer. Spitzer sehe allerdings nur relativ massearme Sterne ähnlich der Sonne, die im Laufe ihres Jahrmilliarden währenden Lebens durch die Galaxis trieben, erläutert Hoare. „Dagegen finden wir massereiche Sterne aufgrund ihrer sehr kurzen Lebensspanne nur in den Armen, in denen sie auch entstanden sind.“

Forschung: James S. Urquhart, Max-Planck-Institut für Radioastronomie, Bonn; Charles C. Figura, Department of Physics, Wartburg College, Waverly; Melvin G. Hoare, School of Physics and Astronomy, University of Leeds; und andere

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, DOI 10.1093/mnras/stt2006; Preprint arXiv:1310.4758

WWW:
Millimeter- und Submillimeter-Astronomie, MPI für Radioastronomie
The Red MSX Source Survey, University of Leeds
A Map of the Milky Way

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Buntes Treiben in der Milchstraße
Ein Balken im Milchstraßenzentrum
Genaueste Vermessung in der Milchstraße

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