Posted in: Galaxien 21. Februar 2014 20:51 Weiter lesen →

Dunkle Wolken in strahlenden Galaxien

Grafik zeigt Zentrum einer Galaxie mal hell strahlend, mal abgeschattet und dunkel In den Zentren leuchtkräftiger Galaxien ziehen riesige Gaswolken ihre Bahn. Neue Belege für diese Vermutung hat ein internationales Forschertrio bei der Auswertung langjähriger Röntgenbeobachtungen gefunden. Bei mehreren Gelegenheiten wurden die strahlenden Zentren der studierten Galaxien vorübergehend abgeschattet – sehr wahrscheinlich durch dichte Klumpen aus Gas, das vor dem Sturz in das Schwarze Loch im Galaxienzentrum stand.

Grafik: NASA

„Eine der großen ungelösten Fragen zu aktiven Galaxienkernen ist, wie Gas aus einer Entfernung von Tausenden Lichtjahren in die heiße Akkretionsscheibe gelangt, die das supermassereiche Schwarze Loch füttert“, erklärt Alex Markowitz von der Universität Erlangen-Nürnberg und der University of California in San Diego. Das neue Wissen über Größe, Form und Häufigkeit der Gaswolken könne helfen, dieses Rätsel zu lösen.

Astronomen gehen davon aus, dass besonders kräftig strahlende Galaxien in ihrem Zentrum ein supermassereiches Schwarzes Loch beherbergen. Dieses Objekt zieht mit seiner Masse von Millionen oder gar Milliarden Sonnen Material aus der Umgebung an. Bevor es endgültig in Form eines heißen, strahlenden Strudels in der Schwerkraftfalle verschwindet, bildet das Material große Gasringe. Offenbar sind diese Ringe nicht gleichmäßig dicht, sondern enthalten Milliarden Kilometer große Gasklumpen mit Massen von einigen Erden, berichten Markowitz und Kollegen im Fachblatt „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“,

Die Astronomengruppe nutzte für ihre Studie das Datenarchiv des Rossi X-ray Timing Explorer. Der Röntgensatellit war von 1995 bis 2012 in Betrieb und hatte in dieser Zeit immer wieder auch Galaxien mit einem hellen, aktiven Kern beobachtet. Die Forscher konzentrierten sich auf 55 dieser Seyfertgalaxien. Sie fanden, dass die Röntgenstrahlung von 8 Objekten bei 12 Gelegenheiten vorübergehend härter, also kurzwelliger wurde. Spektroskopische Untersuchungen erhärteten den Verdacht, dass dieser Stunden bis Jahre währende Effekt auf dichter gewordenes Gas in der Sichtlinie zurückging, das bevorzugt weichere Röntgenstrahlung absorbierte.

Forschung: Alex G. Markowitz und Mirko Krumpe, Center for Astrophysics and Space Sciences, University of California, San Diego, Dr.-Karl-Remeis-Sternwarte, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Bamberg, und Europäische Südsternwarte, Garching; Robert Nikutta, Departamento de Ciencias Físicas, Universidad Andrés Bello, Santiago de Chile

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, DOI 10.1093/mnras/stt2492

WWW:
Remeis-Sternwarte, Uni Erlangen-Nürnberg
Quasars and Active Galaxies
Rossi X-ray Timing Explorer

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