Posted in: Planeten, Sonnensystem 6. März 2014 20:00 Weiter lesen →

Möglicher Ursprung von Marsmeteoriten entdeckt

Senkrechtaufnahme zeigt großen Krater mit scharf umrissenen Wällen, Zentralberg, Ejektadecke Den Ursprungsort vieler Marsmeteoriten glauben norwegische und französische Forscherinnen gefunden zu haben. Ihren Untersuchungen zufolge, liegen in einem Krater am Äquator des Planeten nicht nur die passenden Minerale zutage. Auch dürfte der Krater zu jener Zeit entstanden sein, als die Gesteinsbrocken jäh ins All geschleudert wurden.

Bild: Courtesy of Science/AAAS

Derzeit seien etwa 150 Marsmeteoriten bekannt, erläutern Stephanie Werner von der Universität Oslo und ihre Kolleginnen im Magazin „Science“. Gut drei Viertel dieser Gesteinsbrocken, zur Gruppe der Shergottiten gerechnet, gingen vermutlich auf die gewaltsame Entstehung des 55 Kilometer großen Kraters Mojave zurück. Damit nicht genug, sei ihr Gestein wahrscheinlich sehr viel älter als bislang angenommen.

Shergottiten sind nach einer indischen Stadt benannt, bei der im 19. Jahrhundert ein Vertreter der Gruppe niedergegangen war. Struktur und chemische Zusammensetzung dieser Objekte zeigen, dass sie nicht etwa aus dem Asteroidengürtel oder tieferen Regionen des Sonnensystems stammen. Vielmehr handelt es sich um Stücke von Marskruste, die bei einem oder mehreren Einschlägen auf dem Planeten ins All geschleudert und später durch die Schwerkraft der Erde eingefangen wurden. Gemessen an den zwischenzeitlich angehäuften Spuren kosmischer Strahlung, hat ihre Reise höchstens 5 Millionen Jahre gedauert.

Werner und Kolleginnen fahndeten nun nach entsprechend jungen Kratern auf dem Mars. Die Forscherinnen suchten dazu auf Bildern der Raumsonde Mars Odyssey nach Kratern, die von einem frischen, kaum verwitterten Strahlenkranz emporgespritzten Materials umgeben sind. Als größten der so identifizierten Kandidaten fassten sie den Krater Mojave näher ins Auge. Tatsächlich ergab die Analyse von Infrarotspektren der Sonde Mars Reconnaissance Orbiter, dass im Innern dieses Kraters an mehreren Stellen ein Typ von Silikatmineralen zutage liegt, wie er sich auch in Shergottiten findet.

Für eine Altersbestimmung zählten Werner und Kollegen die Krater in der Umgebung. In der Trümmerdecke um Mojave herum fanden sie nur wenige und meist kleine Krater, die auf ein Alter von 3 bis 8 Millionen Jahren schließen lassen – passend zur Flugdauer. Das Krustengestein in der Region dürfte dagegen bis zu 4,3 Milliarden Jahre alt sein. Offenbar sei das Material der Shergottiten also um ein Vielfaches älter als bislang vermutet, folgern die Forscherinnen.

Forschung: Stephanie C. Werner, Senter for Jordens utvikling og dynamikk, Universitet i Oslo; Anouck Ody, Laboratoire de Géologie de Lyon, CNRS/École normale supérieur de Lyon/Université de Lyon 1; François Poulet, Institut d’Astrophysique Spatiale, Université Paris Sud 11, Orsay

Veröffentlichung Science, 6. März 2014, DOI 10.1126/science.1247282

WWW:
Centre for Earth Evolution and Dynamics, Uni Oslo
e-Mars, Lyon
Institut d’Astrophysique Spatiale, Orsay
Martian Meteorites
Mojave und Umgebung

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Ein schönes Stück Marskruste
Neuer Zank um Marsmeteorit

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