Posted in: Planeten 11. März 2014 13:30 Weiter lesen →

Glorie über der Venus abgelichtet

Falschfarbenbild zeigt weißen Fleck, davon ausgehend Farbverlauf in allen Regenbogenfarben Eine Art kreisrunden und gut 1.200 Kilometer großen Regenbogen auf der Venus hat eine europäische Raumsonde aufgenommen. Das als Glorie bezeichnete Phänomen verrät nicht nur, wie groß die schwefelsauren Wolkentröpfchen über dem Planeten sind. Es liefert auch Hinweise auf deren genaue Zusammensetzung.

Das Falschfarbenbild zeigt die Venus-Glorie im infraroten, sichtbaren und ultravioletten Licht. Bild: ESA/MPS/DLR/IDA

„In unseren Rechnungen lässt sich die Glorie, die wir beobachtet haben, mit reiner Schwefelsäure nicht reproduzieren“, erklärt Wojciech Markiewicz vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau. Vielmehr müsse noch ein weiterer Stoff im Spiel sein, möglicherweise Eisenchlorid oder Schwefel, schreiben der Forscher und seine Kollegen im Fachblatt „Icarus“.

Auf der Erde lassen sich Glorien beobachten, wenn ein Flugzeug einen Schatten auf die Wolkendecke unter sich wirft. In diesem Fall sehen die Passagiere mitunter einen bunten Farbkranz, der den Flugzeugschatten umgibt. Hervorgerufen wird die Erscheinung durch die Lichtbrechung in den Wolkentröpfchen.

Mithilfe der Sonde Venus Express gelang es Markiewicz und Kollegen nun erstmals, eine Glorie über der Venus in ihrer ganzen Pracht aufzunehmen. Die Sonde befand sich zu diesem Zeitpunkt ungefähr 6.000 Kilometer über der heißen atmosphärischen Hexenküche aus Kohlendioxid und Schwefelsäurewolken.

3 Graustufenbilder zeigen die Glorie in 3 Wellenlängenbereichen Die infraroten, sichtbaren und ultravioletten Komponenten den Venus-Glorie. Bild: ESA/MPS/DLR/IDA

Anhand der Breite der Farbringe ermittelten die Forscher für die Wolkentröpfchen eine einheitliche Größe von 1,2 Mikrometern (Tausendstel Millimetern). Gleichzeitig zeigten ihre Berechnungen, dass der hohe Brechungsindex der Tröpfchen allein durch Schwefelsäure nicht erklärt werden kann. Zusätzliches Eisen(III)-chlorid in den Tröpfchen bzw. ein Mantel aus amorphem Schwefel lieferten im Modell dagegen Resultate, die gut zu den Beobachtungen passten. Möglicherweise handle es sich bei der fehlenden Substanz um den seit 90 Jahren gesuchten „UV-Absorber“ in der Wolkendecke der Venus, so die Wissenschaftler.

Forschung: Wojciech Markiewicz, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Katlenburg-Lindau; Thomas Roatsch und Klaus-Dieter Matz, Institut für Planetenforschung, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Berlin; und andere

Veröffentlichung Icarus, DOI 10.1016/j.icarus.2014.01.030 (im Erscheinen)

WWW:
Planeten und Kometen, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung
Venus Express
Glorie

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