Posted in: Planeten 19. März 2014 17:10 Weiter lesen →

Neue Hinweise auf aktive Venusvulkane

Grafik zeigt ausbrechenden Vulkan mit dichten Wolken und Lavaströmen in unwirtlicher Landschaft Auf der Venus gibt es vielleicht auch heute noch aktive Vulkane. Die ersten direkten Hinweise auf solche Aktivität liefern Daten der europäischen Sonde Venus Express. Gleich mehrere Stellen an der Oberfläche des Planeten steigerten demnach binnen Tagen ihre Infrarothelligkeit, um dann wieder zu verblassen.

Grafik: ESA/AOES

Möglicherweise sei an den betreffenden Stellen heißes Material freigesetzt worden, folgern Eugene Shalygin vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau und seine Kollegen. „Dabei könnte es sich um Lava, Gas oder eine Kombination von beiden gehandelt haben“, berichten die Forscher auf einer Fachtagung im texanischen The Woodlands.

Radarkarten der Venus zeigen eine Vielzahl vulkanischer Krater und Kegel sowie erstarrte Lavaströme. Einige dieser Lavaströme scheinen, nach geologischen Maßstäben, sehr jung zu sein. Auch sind bereits jähe Anstiege der Schwefeldioxid-Konzentration in der Atmosphäre des Planeten gemessen worden. Direkte Belege für heutige vulkanische Aktivität fehlten bislang jedoch – unter anderem deshalb, weil eine geschlossene Wolkendecke aus Säuretröpfchen den Blick auf die Oberfläche verwehrt.

Lediglich im Infrarotbereich, bei einer Wellenlänge von 1 Mikrometer, lässt der Wolkenschleier Strahlung passieren. Dieses schmale Fenster nutzt die Venus Monitoring Camera an Bord von Venus Express. Zwar werden ihre Daten von der bis zu 470 Grad Celsius heißen Atmosphäre dominiert. Schwankungen der gemessenen Infrarothelligkeit erlauben jedoch Rückschlüsse auf Veränderungen von Temperatur bzw. Beschaffenheit der festen Oberfläche.

Solche Veränderungen konnten Shalygin und Kollegen nun bei der Analyse von Daten aus dem Jahr 2008 nachweisen. Binnen 2 Umläufen der Sonde stieg die Infrarothelligkeit an 3 zuvor unauffälligen Stellen der Venusoberfläche auf ein Vielfaches des Ausgangswerts. Alle dieser Stellen liegen in einem System von Grabenbrüchen namens Ganiki Chasma. Zudem wird die Region von dem höchsten aller Venusvulkane dominiert, dem gut 8 Kilometer hohen Maat Mons.

Bei der nächstmöglichen Beobachtung mehr als 100 Tage später zeigten sich keine Auffälligkeiten mehr. Durch Schwankungen der Wolkendichte oder Fehler bei der Helligkeitsmessung lasse sich das Phänomen allerdings nicht erklären, so Shalygin und Kollegen. Daher wollen die Forscher nun bei weiteren Grabenbrüchen auf der Venus nach ähnlich abrupten Helligkeitsveränderungen fahnden.

Forschung: Eugene V. Shalygin, Wojciech Markiewicz und Alexander T. Basilevsky, Abteilung Planeten und Kometen, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Katlenburg-Lindau, und Vernadsky Institute, Moskau; und andere

Präsentation auf der 45th Lunar and Planetary Science Conference, The Woodlands, #2556

WWW:
Oberfläche der Venus, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung
Venus
Interactive Map of Venus
Venus Express: Venus Monitoring Camera

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Fieberkarte der Venus

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