Posted in: Planeten 3. April 2014 16:53 Weiter lesen →

Junger Vulkanismus auf Merkur

Aufnahme zeigt bläulich eingefärbten, kreisrunden Krater, darin zwei grubenartige Vertiefungen mit rotbraun gefärbter Umgebung Der Merkur ist nicht die öde Gesteinswelt, für die er lange gehalten wurde. Neue Belege für diese Ansicht hat eine internationale Forschergruppe gefunden. Aufnahmen einer Sonde in der Umlaufbahn um den innersten Planeten des Sonnensystems zeigen Ablagerungen, die auf explosive Vulkanausbrüche zurückgehen und in teils nur 1 Milliarde Jahre jungen Einschlagkratern liegen.

Pyroklastisches Material an 2 Austrittsstellen, im Falschfarbenbild rotbraun eingefärbt, im Krater Kipling. Bild: Brown University

„Die Alterswerte zeigen uns, dass der Merkur nicht schon in seiner Frühzeit vollständig ausgegast hat“, erläutert Timothy Goudge von der Brown-Universität im US-Bundesstaat Rhode Island. Explosiver Vulkanismus setze flüchtige Substanzen im Magma voraus, so der Planetenforscher. Und hätten sich die Vulkanausbrüche vor der Entstehung der Krater ereignet, wären ihre Spuren bei den Einschlägen ausradiert worden.

Merkur galt einst als tote Welt, in der jegliche geologische Aktivität schon kurz nach der Entstehung des Planeten vor rund 4,5 Milliarden Jahren erloschen war. Nach Abschluss eines regelrechten Bombardements durch Asteroiden vor etwa 3,8 Milliarden Jahren sollte es nur gelegentlich zu Austritten weitgehend gasfreier Lava gekommen sein. Aufnahmen der Sonde Messenger, die seit Anfang 2011 den Planeten umkreist, haben dieses Bild jedoch ins Wanken gebracht.

Die Bilder von Messenger zeigen unter anderem pyroklastische Ablagerungen, die aus förmlich zersprengtem Gestein bestehen und auf explosive Vulkanausbrüche zurückgehen. Goudge und Kollegen konnten insgesamt 51 solcher Ablagerungen auf dem Merkur identifizieren und systematisch analysieren. Wie die Forscher im „Journal of Geophysical Research: Planets“ berichten, sind die zugehörigen Austrittsstellen unterschiedlich stark verwittert, können also nicht sämtlich aus der Frühphase des Planeten stammen. Passend dazu ergab die Datierung der Krater, in denen die meisten Ablagerungen liegen, Werte von 1 bis 3,5 Milliarden Jahren.

Offenbar habe man den Vorrat flüchtiger Bestandteile im Merkur stark unterschätzt, folgert Goudges Kollege James Head. Auch auf dem Erdmond seien kürzlich Spuren überraschend junger Gasausbrüche gefunden worden, so der Forscher. „Diese Resultate revolutionieren unsere Ansichten über die frühe Entwicklung der Planeten und Monde.“

Forschung: Timothy A. Goudge und James W. Head, Department of Geological Sciences, Brown University, Providence; Laura Kerber, Laboratoire de Météorologie Dynamique, CNRS/Université Pierre-et-Marie-Curie/Institut Pierre-Simon Laplace, Paris; Gregory M. Holsclaw, Institut für Planetenforschung, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Berlin; und andere

Veröffentlichung Journal of Geophysical Research: Planets, DOI 10.1002/2013JE004480

WWW:
Planetary Geosciences Group, Brown University
Messenger: Mercury Surface
Pyroclastic Flows

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