Posted in: Exoplaneten, Sonnensystem 30. April 2014 19:00 Weiter lesen →

Gasriese mit viel Drall

Grafik zeigt Diagramm mit Drehgeschwindigkeit, aufgetragen gegen die Masse, einiger Sonnensystemplaneten und von Beta Pictoris b Einer niederländischen Forschergruppe ist es erstmals gelungen, die Bewegung eines fernen Planeten direkt zu vermessen. Die Astronomen gewannen hochauflösende Lichtspektren des Exoplaneten und konnten daran ablesen, wie lange dort ein Tag dauert.

Grafik: Ignas Snellen, Leiden Observatory

Der Gasriese mit der Bezeichnung Beta Pictoris b dreht sich alle 8 Stunden einmal um die eigene Achse, ermittelten Ignas Snellen von der Universität Leiden und seine Kollegen. Dieser Wert passe erstaunlich gut zu den Verhältnissen im hiesigen Sonnensystem mit höheren Drehgeschwindigkeiten bei zunehmender Masse, schreiben die Astronomen im Magazin „Nature“.

Der Mutterstern des Planeten, Beta Pictoris, ist fast 63 Lichtjahre von der Sonne entfernt. Das junge Gestirn ist von einer weit ausladenden Staubscheibe umgeben, die auf die Entstehung eines Planetensystems hindeutet. Tatsächlich konnte dort vor einigen Jahren ein Planet nachgewiesen und mittlerweile an verschiedenen Punkten seiner Umlaufbahn abgelichtet werden. Diese Bahn ist so geneigt, dass man von der Erde aus direkt auf ihre Kante blickt.

Beta Pictoris b ist ein heißer, hell glimmender Gasriese mit dem 7-Fachen der Jupitermasse und hält zudem gehörigen Abstand zu seinem Stern. Snellen und Kollegen nutzten diese günstigen Umstände und den hochentwickelten CRIRES-Spektrografen am europäischen Großteleskop-Observatorium in Chile, um mehr über den Planeten zu erfahren.

Die von den Astronomen aufgenommenen Spektren enthüllen den optischen Fingerabdruck von Kohlenmonoxid in der Atmosphäre von Beta Pictoris b. Diese optische Signatur ist deutlich verbreitert, da der Spektrograf gleichzeitig die auf den Betrachter zu- und die von ihm wegrotierende Hemisphäre des Planeten erfasst. Anhand dieses Dopplereffekts schätzen die Forscher, dass sich der Planet mit einer Äquatorgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Sekunde dreht, entsprechend einer Rotationsdauer von etwa 8 Stunden.

Zusätzlich ist der optische Fingerabdruck der Planetenatmosphäre zu kürzeren Wellenlängen verschoben, entsprechend einer Bewegung von Beta Pictoris b mit etwa 15 Kilometern pro Sekunde in Richtung des Beobachters. Dieser Wert passe gut zu einer nahezu kreisförmigen Umlaufbahn, so Snellen und Kollegen.

Forschung: Ignas A. G. Snellen und Bernhard R. Brandl, Sternwarte der Universität Leiden; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 509, 1. Mai 2014, pp 63–5, DOI 10.1038/nature13253

WWW:
Leidse Sterrewacht
Homepage Ignas Snellen
Beta Pictoris b
CRIRES

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