Posted in: Galaxien, Kosmos 2. Mai 2014 16:43 Weiter lesen →

Mini-Galaxie ist kosmisches Fossil

2 Bilder zeigen Ausschnitt des Sternhimmels, in einem davon sind mehrere Sterne eingekreist Ein wahres Fossil unter den Galaxien hat eine amerikanische Forschergruppe identifiziert. Die winzige Begleitgalaxie der Milchstraße hat seit der Entstehung des Universums möglicherweise nur eine einzige Sterngeneration kommen und gehen sehen. Als Folge ist ihre chemische Zusammensetzung urtümlicher als die jeder anderen Galaxie.

Vor dem Sternenhimmel ist Segue 1 nicht ohne Weiteres als zusammengehöriges Objekt erkennbar. Bild: Marla Geha, Yale University

Der Grund für den Stillstand in der Galaxie namens Segue 1 könnte der geringe Materialvorrat, erklärt Anna Frebel vom Massachusetts Institute of Technology. „Sie verfügte schlicht nicht über genügend Gas und konnte auch kein zusätzliches Gas einsammeln, um zu wachsen und neue Sterne hervorzubringen“, so die Astrophysikerin. Mit dem Ausbrennen oder Explodieren der ersten Sterngeneration kam auch die chemische Entwicklung der Galaxie zum Erliegen, da Elemente jenseits des Heliums im Innern von Sternen entstehen.

Segue 1 enthält nur etwa 1.000 Sterne und ist damit so klein, dass sie mal als extrem leuchtschwache Zwerggalaxie, mal als verstreuter Sternhaufen eingestuft wird. Frebel und australischen Kollegen war der Winzling schon früher aufgefallen, als die Spektralanalyse eines alternden Riesensterns in der Galaxie einen extrem niedrigen Gehalt schwerer Elemente enthüllte. Gemeinsam mit amerikanischen Kollegen nutzte die Forscherin zwei Großteleskope in Chile und auf Hawaii, um auch die übrigen ausreichend hellen Sterne in Segue 1 zu studieren. Ihre Resultate stellt die Gruppe im Fachblatt „Astrophysical Journal“ vor.

Drei der sieben untersuchten Sterne in Segue 1 weisen demnach einen Eisengehalt auf, der um den Faktor 3.000 oder mehr unter dem in der Sonne liegt. Und vor allem jene Elemente, die erst im Zuge einer Supernova in nennenswertem Maße entstehen, sind in dem galaktischen Winzling äußerst selten.

„Es scheint so, als habe die Galaxie nach einigen anfänglichen Supernova-Explosionen nur noch eine Sterngeneration und in den folgenden 13 Milliarden Jahren keine weiteren Sterne hervorgebracht“, so Frebels Kollege Joshua Simon von der Carnegie Institution. Durch das Studium von Segue 1 könnten Forscher daher mehr über die Verhältnisse im frühen Universum erfahren.

Forschung: Anna Frebel, Kavli Institute for Astrophysics and Space Research und Department of Physics, Massachusetts Institute of Technology, Cambridge; Joshua D. Simon, Observatories of the Carnegie Institution of Washington, Pasadena; Evan N. Kirby, Department of Physics and Astronomy, University of Californie, Irvine

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 786(1), 74, DOI 10.1088/0004-637X/786/1/74; Preprint arXiv:1403.6116

WWW:
Anna Frebel, Kavli Institute/MIT
Joshua Simon, Carnegie Observatories
Entstehung der Elemente
Segue 1

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Frühreife Galaxien
Lebendes galaktisches Fossil

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