Posted in: Galaxien, Sterne 7. Mai 2014 18:53 Weiter lesen →

Astronomen finden massigen Raser

Grafik zeigt gleißend helle Kugel mit Bewegungsunschärfe über einer Spiralgalaxie Einen Stern, der es ganz besonders eilig hat, haben amerikanische und chinesische Astronomen entdeckt. Der stellare Raser bringt es auf das 9-Fache der Sonnenmasse und eilt mit einer Geschwindigkeit von mindestens 1,7 Millionen km/h durch das All. Derart auf Touren gebracht hat ihn möglicherweise eine enge Begegnung mit dem Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße.

Grafik: Ben Bromley, University of Utah

„Hyperschnellläufer wie dieser können uns viel über unsere Galaxis verraten“, erklärt Zheng Zheng von der Universität von Utah in Salt Lake City. Die Anzahl solcher Sterne und ihre Bewegung erlaubten Rückschlüsse über die Bedingungen nahe des zentralen Schwarzen Lochs und über die Verteilung von Dunkler Materie in den Außenbezirken der Milchstraße, schreiben der Astronom und seine Kollegen im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“.

Zheng und Kollegen identifizierten den Hyperschnellläufer im Rahmen eines Forschungsprogramms, das die Bewegung von rund 8 Millionen Sternen vermessen soll. Für dieses ambitionierte Ziel nutzen die Astronomen das LAMOST-Teleskop im Nordosten Chinas. Dessen aufwändige Glasfaseroptik gestattet es, während einer einzigen Beobachtung hochauflösende Spektren von bis zu 4.000 Sternen aufzunehmen.

Einer der bislang studierten Sterne fällt durch eine extrem hohe Geschwindigkeit auf: Gemessen an der Dopplerverschiebung seiner Spektrallinien, bewegt sich der junge und massereiche Hitzkopf mit gut 620 Kilometern pro Sekunde vom Sonnensystem weg. Bezogen auf das Zentrum der Milchstraße, entfernt er sich mit mindestens 477 Kilometern pro Sekunde – genug, um die Schwerkraft der Galaxis zu überwinden und in die Tiefe des Alls zu entfliehen.

Woher der Stern mit der Bezeichnung LAMOST-HVS1 kommt, lässt sich mit Sicherheit erst sagen, wenn auch seine Bewegung quer zur Sichtlinie präzise vermessen ist. Seine aktuelle Position weit über der Ebene der Milchstraße und Ähnlichkeiten mit anderen bekannten Hyperschnellläufern legten jedoch einen Ursprung im galaktischen Zentrum nahe, so Zheng und Kollegen. Möglicherweise stamme der Raser aus einem Doppelsternsystem, das es in der Nähe des zentralen Schwarzen Lochs förmlich zerrissen habe.

Forschung: Zheng Zheng, Department of Physics and Astronomy, University of Utah, Salt Lake City; Jeffrey L. Carlin und Heidi Jo Newberg, Department of Physics, Applied Physics, and Astronomy, Rensselaer Polytechnic Institute, Troy; Yong Zhang, National Astronomical Observatories, Chinese Academy of Sciences, Nanjing; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal Letters, Vol. 785(2), L23, DOI 10.1088/2041-8205/785/2/L23; Preprint arXiv:1401.5063

WWW:
Homepage Zheng Zheng, University of Utah
National Astronomical Observatories, Chinese Academy of Sciences
LAMOST
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