Posted in: Sterne 9. Mai 2014 18:29 Weiter lesen →

Ein Geschwister der Sonne

Sondenaufnahme der orangeroten, förmlich brodelnden Sonne vor pechschwarzem Hintergrund Das erste echte Geschwister der Sonne glauben amerikanische, russische und australische Forscher identifiziert zu haben. Ein rund 110 Lichtjahre vom Sonnensystem entfernter Stern wurde demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit in derselben Gaswolke geboren wie das irdische Zentralgestirn.

Bild: NASA/STEREO Science Team

Eine nähere Untersuchung des Sterns mit der Bezeichnung HD 162826 könnte daher helfen, die Entstehung lebensfreundlicher Planeten besser zu verstehen, hofft Ivan Ramírez von der Universität von Texas in Austin. „Wenn wir herausfinden, aus welchem Teil der Galaxis die Sonne stammt, können wir auch die Bedingungen im jungen Sonnensystem besser eingrenzen.“

Astronomen gehen heute davon aus, dass die Sonne kein „Einzelkind“ ist, sondern vor gut 4,5 Milliarden Jahren gemeinsam mit Hunderten oder Tausenden weiterer Sterne geboren wurde, indem sich Gasschwaden in einer riesigen Molekülwolke unter ihrer eigenen Schwerkraft verdichteten. Der resultierende Sternhaufen sollte sich allerdings binnen weniger hundert Millionen Jahre in alle Winde zerstreut haben.

Himmelskarte zeigt Herkules, Wega und die Position des Sonnengeschwisters
Bild: Ivan Ramírez/Tim Jones/McDonald Observatory

In den letzten Jahren sind mehrere Sterne gefunden worden, die als mögliche Geschwister der Sonne gelten. Ramírez und Kollegen nutzten nun Teleskope in Texas und Chile, um 30 dieser Kandidaten genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Forscher nahmen hochauflösende Spektren der Sterne auf, anhand derer sie auf die jeweilige chemische Zusammensetzung und das Alter schließen konnten. Zusätzlich schätzten sie ab, wie sich die Sterne in der Vergangenheit durch die Milchstraße bewegt haben. Letztlich erfüllte nur ein Kandidat sämtliche Kriterien für einen Geschwisterstern der Sonne.

HD 162826 liegt im Sternbild Herkules nahe der hellen Wega und besitzt etwa ein Sechstel mehr Masse als die Sonne. Mit bloßem Auge ist er nicht erkennbar, sehr wohl aber mit einem Fernstecher. Rein zufällig werde der Stern schon seit 15 Jahren immer wieder beobachtet, um Hinweise auf mögliche Planeten zu finden, so Ramírez weiter. Zumindest Gasriesen auf engen Umlaufbahnen, sogenannte „heiße Jupiter“, könne man bereits ausschließen, nicht jedoch kleine terrestrische Planeten.

Forschung: Ivan Ramírez, McDonald Observatory und Department of Astronomy, University of Texas, Austin; Anisa T. Bajkova und Vadim V. Bobylev, Pulkovo Astronomical Observatory und Sobolev Astronomical Institute, St. Petersburg State University, St. Petersburg; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal (im Erscheinen); Preprint arXiv:1405.1723

WWW:
Homepage Ivan Ramírez
Pulkowo-Observatorium, St. Petersburg
Star Formation

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