Posted in: Exoplaneten 15. Mai 2014 17:59 Weiter lesen →

Exoplanet hält viel Abstand

Grafik zeigt dunklen Gasriesen mit Wolkenbändern vor sternbesetztem Hintergrund, in der Ferne sein Gestirn als orangefarbener Punkt Auf einen Exoplaneten mit Seltenheitswert sind kanadische Forscher gestoßen. Im Gegensatz zu den meisten derzeit bekannten Planeten anderer Sterne ist das neue Exemplar extrem weit von seinem Gestirn entfernt – rund 2.000-mal weiter als die Erde von der Sonne. Ein Jahr dauert auf der fernen Welt daher ungefähr 80.000 Erdjahre.

Grafik: Copyright Lucas Granito

Für Astronomen sei das ungewöhnliche Paar im Sternbild Fische Planet echter Glücksfall, erklärt René Doyon von der Universität Montreal. Aufgrund des großen Abstands lasse sich der Planet nämlich direkt und mit geringen Störungen durch seinen gleißend hellen Stern beobachten. „Wir können ihn daher mit einer Vielzahl von Instrumenten studieren und so generell mehr über Riesenplaneten erfahren.“

Die Gruppe um Doyon und seine Kollegin Marie-Eve Naud nutzte das große Gemini-Teleskop in Chile, um bei 91 kleinen und jungen Sternen nach eventuellen Planeten zu fahnden. Solche Planeten sollten aufgrund ihres geringen Alters noch sehr heiß sein und daher viel Licht im tiefroten und infraroten Bereich des Spektrums abgeben, so die Überlegung der Astronomen. Tatsächlich fanden sie in der Nähe des Sterns GU Pisces ein Objekt mit solchen Eigenschaften. Weitere Beobachtungen zeigten, dass der Himmelskörper etwa 300 Milliarden Kilometer von dem Stern entfernt ist, sich aber gemeinsam mit diesem durch das All bewegt.

Falschfarben-Teleskopbild zeigt hellen, weißen Stern und in einigem Abstand den Planeten als tiefroten Fleck Bild: Université de Montréal

Doyon, Naud und Kollegen schätzen die Masse des Objekts auf 9 bis 13 Jupitermassen. GU Pisces b, so seine Bezeichnung, liegt damit unterhalb jener Grenze, ab der es als Beinahe-Stern, als Brauner Zwerg, eingestuft werden könnte. Umso spannender ist die Frage nach seiner Herkunft.

Für eine typische Planetenentstehung in der Gas- und Staubscheibe um den jungen Stern sei der aktuelle Abstand schlicht zu groß, so die Forscher. Vielleicht habe es GU Pisces b also erst nachträglich auf seine heutige Bahn verschlagen, vielleicht sei der exotische Planet aber auch nach Art von Sternen und Braunen Zwergen direkt durch den Kollaps einer Gaswolke entstanden.

Forschung: Marie-Eve Naud, Étienne Artigau, René Doyon und Anne Boucher, Département de Physique und Observatoire du Mont-Mégantic, Université de Montréal, Montreal; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 787(1), 5, DOI 10.1088/0004-637X/787/1/5; Preprint arXiv:1405.2932

WWW:
Groupe d’Astrophysique, Université de Montréal
Gemini Observatory
Extrasolar Planets Encyclopaedia
A Ten Step Program for Star and Planet Formation

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Frei geborene Planeten
Gasriese auf der Überholspur

Posted in: Exoplaneten
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (1 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.