Posted in: Mond, Raumfahrt 18. Juli 2014 15:38 Weiter lesen →

Viel Platz im Mond

Beinahe senkrechter Blick in Schacht in glatter, dunkler Mondoberfläche, an seinem Boden größere Felsbrocken Auch wenn der Mond nicht aus Käse besteht, löchrig ist er auf jeden Fall. Amerikanische Forscher haben im Rahmen einer systematischen Suche mehr als 200 Löcher in der Mondoberfläche gefunden. Die meisten der bis zu 900 Meter weiten Schächte münden wahrscheinlich in größere Hohlräume – und könnten daher ebenso geräumige wie gut geschützte Standorte für künftige Mondstationen markieren.

Die hoch stehende Sonne beleuchtet das Innere eines Schachts im Mare Tranquilitatis. Bild: NASA/GSFC/Arizona State University

„Keine Strahlung, keine Mikrometeoriten, wohl nur sehr wenig Staub und keine extremen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht“, so fasst Robert Wagner von der Arizona State University die Vorteile der Höhlen unter der Mondoberfläche zusammen. In jedem Fall könnte eine nähere Untersuchung der Löcher neue Details aus der geologischen Vergangenheit des Monds enthüllen, schreiben der Forscher und sein Kollege Marc Robinson im Fachblatt „Icarus“.

Bereits vor einigen Jahren waren auf Bildern der japanischen Sonde Kaguya (Selene) einige Löcher in der Mondoberfläche erspäht worden. Wagner und Robinson fahndeten nun in den hochauflösenden Aufnahmen des amerikanischen Lunar Reconnaissance Orbiter nach ähnlichen Merkmalen – und wurden fündig: Insgesamt 231 Löcher mit steilen, teils sogar überhängenden Wänden und Durchmessern zwischen 5 und 900 Metern entdeckte der von den Forschern entwickelte Suchalgorithmus. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen, da der Orbiter bislang erst 40 Prozent der Mondoberfläche unter günstigen Lichtbedingungen aufgenommen hat.

Collage zeigt 10 Mondlöcher unterschiedlicher Größe, Tiefe und Form Größenmaßstab: 50 m. Bild: NASA/GSFC/Arizona State University

Die meisten der Schächte finden sich in einst aufgeschmolzenem Gestein im Innern größerer Einschlagkrater, einige andere in der erstarrten Lava der dunklen Mondmeere. Ein nahe liegendes Entstehungsszenario ist daher der Einsturz von Röhren, die sich in fließender, von außen nach innen erstarrender Gesteinsschmelze bzw. Lava gebildet haben. Gemessen an den „Oberlichtern“ irdischer Lavaröhren könnten die Hohlräume unter der Mondoberfläche viele Hundert Meter lang sein, so Wagner: „Die ideale Konsequenz wäre nun, Sonden in einen oder zwei dieser Schächte zu schicken und sich dort einmal gründlich umzusehen.“

Forschung: Robert V. Wagner und Mark S. Robinson, School of Earth and Space Exploration, Arizona State University, Tempe

Veröffentlichung Icarus, Vol. 237, pp 52–60, DOI 10.1016/j.icarus.2014.04.002

WWW:
Space Exploration Resources, Arizona State University
Lunar Reconnaissance Orbiter Camera
Lavaröhre

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Neues vom Loch im Mars

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