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Ein dickes Ding: Extrem massereicher Stern gefunden

Kombi-Teleskopaufnahme zeigt blauweiße Sterne inmitten roter Gasschwaden vor tiefschwarzem Hintergrund [1] Einen Stern mit Seltenheitswert hat eine deutsch-schwedische Forschergruppe entdeckt. Der Riese liegt in einer Kinderstube für neue Sterne in der Milchstraße und bringt es auf eine Masse von 100 bis 180 Sonnen. Von den Milliarden erfasster Sterne fallen nur einige Dutzend in diese Gewichtsklasse – derzeit ist nicht einmal klar, wie sie überhaupt entstehen können.

Bild: S.-W. Wu, A. Bik, Th. Henning, A. Pasquali, W. Brandner, A. Stolte

Von der Entdeckung erhoffen sich die Astronomen um Shi-Wei Wu und Wolfgang Brandner vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie neue Einsichten in die Entstehung der größten Sterne und ihren Einfluss auf ihr Umfeld. Ihren Fund präsentieren die Forscher im Fachblatt „Astronomy and Astrophysics“.

Sterne mit großen Massen entstehen nicht nur seltener als solche mit geringerer Masse, sie leben auch sehr viel weniger lang. Während beispielsweise die Sonne rund 10 Milliarden Jahre alt werden dürfte, vergehen Sterne mit 100 Sonnenmassen schon nach wenigen Jahrmillionen wieder. Gleichzeitig senden sie energiereiche Strahlung und schieben mit ihrem intensiven Sternwind das Gas in ihrer Umgebung beiseite – und können es auf diese Weise vermutlich so stark verdichten, dass darin die Keime für weitere Sterne entstehen.

Grafik zeigt blauweißen Ball neben einer vielfach kleineren gelblichen KugelDer neu entdeckte Stern W49nr1 im Vergleich zur Sonne. Bild: MPIA / Axel M. Quetz

Wu, Brandner und Kollegen nutzen eines der Großteleskope am europäischen VLT-Observatorium in Chile, um die größte Sternentstehungsregion der Milchstraße zu beobachten. Die Region mit der Bezeichnung W49 liegt rund 36.000 Lichtjahre vom Sonnensystem entfernt hinter dichten Massen interstellaren Staubs, die sichtbares Licht praktisch nicht passieren lassen. Anhand ihrer Infrarot-Beobachtungen konnten die Forscher jedoch den ungewöhnlich massereichen Stern W49nr1 aufspüren und, mit Daten weiterer Teleskope, näher charakterisieren.

Forschung: Shi-Wei Wu, Arjan Bik, Thomas Henning und Wolfgang Brandner, Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg, und Department of Astronomy, Stockholm University; Anna Pasquali, Zentrum für Astronomie, Uni Heidelberg; Andrea Stolte, Argelander-Institut für Astronomie, Uni Bonn

Veröffentlichung Astronomy and Astrophysics, Vol. 568, L13, DOI 10.1051/0004-6361/201424154 [2]

WWW:
Planet and Star Formation, MPI für Astronomie [3]
Sterntypen – von Riesen und Zwergen [4]
The Lives of High-Mass Stars [5]
Das Very Large Telescope [6]

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Sterngiganten sprengen Theorie [7]
Astronomen spalten „verbotenen“ Stern [8]
Sterne wachsen nicht in den Himmel [9]