Posted in: Sonnensystem 10. September 2014 17:55 Weiter lesen →

Eine Karte von „Tschuri“

Blick über zerklüftetes, von Brocken übersätes Terrain auf ein etwas glatteres im Hintergrund Einen Monat nachdem die Raumsonde Rosetta ihren Zielkometen erreicht hat, haben europäische Wissenschaftler nun die erste Übersichtskarte des Objekts vorgestellt. Die Oberfläche von 67P/Tschurjumow-Gerassimenko bietet demnach viel Abwechslung: Sie lässt sich in mehrere Regionen von unterschiedlicher Beschaffenheit unterteilen.

Blick über den „Rücken“ auf den „Hinterkopf“ von Tschurjumow-Gerassimenko. Bild: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA

„Noch nie zuvor haben wir die Oberfläche eines Kometen in solchen Einzelheiten gesehen“, sagt Holger Sierks vom Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Bis man die neue Karte auch interpretieren könne, werde es allerdings noch dauern. „Zu diesem Zeitpunkt versteht eigentlich noch niemand, wie die morphologischen Unterschiede, die wir sehen, entstanden sind.“

Die europäische Sonde Rosetta war Anfang August in eine Umlaufbahn um „Tschuri“ eingeschwenkt – derzeit rund 510 Millionen Kilometer oder 3,4-mal so weit wie die Erde von der Sonne entfernt. Das Kamerasystem OSIRIS der Sonde liefert den an der Mission beteiligten Forschern hochauflösende Bilder des sich in der Sonne drehenden Kometen. Die Auflösung liegt bei bis zu 75 Zentimetern pro Bildpunkt.

Gesamtansicht des Kometen als felsigem Brocken, verschiedene Bereiche farbig markiert Die Kartenansicht auf den „Bauch“ und einen Teil des „Kopfes“ des Kometen zeigt die verschiedenen Gebiete. Bild: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA

Trotz einer Größe von nur etwa 4 Kilometern bietet der Komet sehr variantenreiches Terrain, berichten Sierks und Kollegen auf einer Fachtagung im portugiesischen Cascais. Manche Gebiete werden von Steilhängen dominiert, andere dagegen von Vertiefungen, Kratern, Brocken oder parallel verlaufenden Rillen. Einige dieser Gebiete scheinen eher ruhig zu sein, während andere möglicherweise durch Kometenaktivität geformt wurden: Sie könnten die Quelle des Staubs sein, den Tschurjumow-Gerassimenko ins All speit.

Die neue Karte gibt nicht nur Aufschluss über die Beschaffenheit der Oberfläche, sie soll auch bei der Auswahl eines guten Landeplatzes helfen. Denn während Rosetta gemeinsam mit dem Kometen um die Sonne kreisen wird, soll der „huckepack“ mitgereiste Lander Philae in wenigen Monaten auf der Oberfläche des Kometen aufsetzen und diesen aus nächster Nähe untersuchen.

Forschung: Holger Sierks und Nilda Oklay, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Göttingen; Cesare Barbieri, Centro di Ateneo di Studi e Attività Spazialei „Giuseppe Colombo“, Università degli Studi de Padova; und andere

Präsentation auf dem European Planetary Science Congress 2014, Cascais; #EPSC2014-518

WWW:
Planeten und Kometen, MPI für Sonnensystemforschung
OSIRIS
Rosetta, ESA
The Comet Primer

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Komet mit gespaltener Persönlichkeit
Ein Komet auf den zweiten Blick
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