Posted in: Sterne 1. Oktober 2014 14:56 Weiter lesen →

Zwergstern lässt es krachen

Grafik zeigt eher dunklen Zwergstern mit Protuberanzen und gleißend hellem Strahlungsausbruch, im Hintergrund ein weiterer Stern Kleine Sterne sind zu gewaltigen Strahlungsausbrüchen fähig, belegen Messungen eines amerikanischen Forschungssatelliten. Bei dem Ereignis produzierte ein nahe gelegener Zwergstern eine ganze Serie von Eruptionen. Gleich der erste dieser Ausbrüche war um den Faktor 10.000 intensiver als das stärkste bekannte Gegenstück auf der Sonne.

Grafik: NASA Goddard Space Flight Center/S. Wiessinger

Ausgangspunkt der Strahlungsblitze war ein rund 60 Lichtjahre entfernter Doppelstern im Sternbild der Jagdhunde. Das Binärsystem mit der Bezeichnung DG Canum Venaticorum (DG CVn) besteht aus zwei jungen Roten Zwergen, die es jeweils auf etwa ein Drittel der Sonnenmasse bringen. Zumindest einer der beiden Zwerge dreht sich um ein Vielfaches rascher als die Sonne um die eigene Achse. Wahrscheinlich liegt hier die Ursache für immense Magnetfeld-Kurzschlüsse als Grundlage der Strahlungsausbrüche.

„Dieses System ist bislang kaum untersucht“, erklärt Rachel Osten vom Space Telescope Science Institute in Baltimore. Ein Grund dafür sei, dass man von dem Doppelstern keine größeren Strahlungsausbrüche erwartet habe. „Wir hatten keine Ahnung, dass DG CVn das Zeug dazu hat.“

Den Gegenbeweis liefern die Daten des Weltraumteleskops Swift. Am 23. April dieses Jahres registrierte der Satellit aus der Richtung des Doppelsterns einen raschen Anstieg der Röntgenintensität. Binnen kurzer Zeit richtete sich der Satellit neu aus, sodass er das System in verschiedenen Bereichen des Spektrums näher studieren konnte. Der Ausbruch war demnach der erste und gleichzeitig stärkste in einer fast zweiwöchigen Reihe von Eruptionen.

Während des initialen Strahlungsausbruchs stieg die Helligkeit von DG CVn im sichtbaren und ultravioletten Licht um den Faktor 10 bzw. 100, ermittelte die Gruppe um Osten und ihren Kollegen Stephen Drake vom Goddard Space Flight Center der NASA. Noch beeindruckender war das Geschehen im Röntgenbereich. „Der stärkste Flare auf der Sonne ereignete sich im November 2003 und wird als X45 klassifiziert“, erläutert Drake. Diese Einstufung entspricht einer Spitzenintensität im Röntgenbereich von 4,5 Milliwatt pro Quadratmeter. „Betrachtet von einem Planeten in Erdabstand, wäre die Eruption auf DG CVn jedoch etwa 10.000 Mal stärker gewesen, entsprechend einer Klassifizierung in der Größenordnung von X100000.“

Forschung: Stephen Drake, Center for Research and Exploration in Space Science & Technology, Universities Space Research Association, und NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt; Rachel Osten, Space Telescope Science Institute, Baltimore; und andere

Veröffentlichung Astronomer’s Telegram, #6121

WWW:
High Energy Astrophysics Science Archive Research Center, NASA
Rachel Osten, Space Telescope Science Institute
The Classification of X-Ray Solar Flares
Swift

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Kleiner Stern ganz groß

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