Posted in: Sonnensystem 23. Oktober 2014 14:46 Weiter lesen →

Der Duft eines Kometen

Blick über den Kometen mit hellem Gasjet Obwohl er noch weit von der Sonne entfernt ist, verströmt der Komet Tschurjumow-Gerassimenko bereits sein ganz persönliches Parfum. Entsprechende Daten liefert ein Instrumentenpaket an Bord der europäischen Sonde Rosetta. Für menschliche Nasen ist der Kometenduft alles andere als attraktiv, für die an der Mission beteiligten Wissenschaftler dagegen erfreulich aufschlussreich.

Bild: ESA/Rosetta/NAVCAM

„Je näher der Komet zur Sonne kommt, desto mehr verdampft von seinem Eis und umso stärker wird seine Ausgasung“, erläutert Kathrin Altwegg von der Universität Bern. Umso verblüffender sei es, dass in der dünnen Gashülle des Kometen, seiner Koma, schon jetzt eine Vielzahl chemischer Verbindungen nachweisbar sei. Derzeit ist „Tschuri“ noch etwa 465 Millionen Kilometer oder gut 3-mal so weit wie die Erde von der Sonne entfernt.

Neben Schwefelwasserstoff und Ammoniak, typisch für faule Eier bzw. Gülle, verströmt „Tschuri“ auch stechend riechendes Formaldehyd, ermittelten Altwegg und Kollegen mithilfe des Instruments ROSINA (Rosetta Orbiter Spectrometer for Ion and Neutral Analysis). Abgerundet wird das Kometenparfum durch die bittermandelartigen, alkoholischen und essigähnlichen Aromen von Blausäure, Methanol und Schwefeldioxid. Und auch etwas süßlich riechenden Schwefelkohlenstoff konnte die Forschergruppe nachweisen.

„Dieser Mix ist wissenschaftlich sehr spannend, um mehr über den Ursprung der Materie unseres Sonnensystems zu erfahren – auch über die Entstehung der Erde und den Ursprung des Lebens“, so Altwegg weiter. Die nachgewiesenen Verbindungen machten allerdings nur einen geringen Anteil der überwiegend aus Wasser, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid bestehenden Koma aus.

Nach einer mehr als 10 Jahre dauernden Reise war Rosetta Anfang August in die Umlaufbahn um Tschurjumow-Gerassimenko eingeschwenkt. Mittlerweile hat die Sonde eine erste Kartierung des Kometen vorgenommen. Am 12. November dann soll sie den Landeroboter Philae absetzen, um den rund 5 Kilometer großen Brocken aus Eis und Staub aus allernächster Nähe zu studieren.

Forschung: Kathrin Altwegg und Martin Rubin, Center for Space and Habitability und Physikalisches Institut der Universität Bern; Jean-Jacques Berthelier, Laboratoire Atmosphères, Milieux, Observations Spatiales, Institut Pierre Simon Laplace, Paris; und andere

WWW:
ROSINA, Universität Bern
Rosetta, ESA
Comets‘ Composition: The Nucleus

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Eine Karte von „Tschuri“
Flüssiges Wasser in Kometen
Kometen: Heißgeschmiedetes im Eishaus

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