Posted in: Raumfahrt 12. November 2014 18:56 Weiter lesen →

Philae: Erstmals landet eine Sonde auf einem Kometen (Update)

Die Landesonde Philae der Europäischen Raumfahrtagentur ESA hat heute auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko aufgesetzt. Erstmals hat ein Raumfahrzeug ein solches Manöver ausgeführt.

Um 17.08 Uhr MEZ konnte die ESA-Kontrollstation in Darmstadt die Landung von Philae melden. Die Bestätigung wurde über den Rosetta-Orbiter an die Erde weitergeleitet und zeitgleich von der ESA-Bodenstation in Malarguë, Argentinien, und der NASA-Station in Madrid empfangen. Alle Daten von Rosetta benötigen rund eine halbe Stunde, um die Erde zu erreichen.

Damit wurde der langsame Abstieg der Sonde von ihrer Muttersonde Rosetta erfolgreich abgeschlossen. Um 9.35 Uhr MEZ hatten sich die beiden Raumfahrzeuge in einer Höhe von 22,5 Kilometern über dem Kometen voneinander getrennt. Die Sonde Rosetta hatte den Kometen 67P am 6. August dieses Jahres erreicht und kreist seitdem um den Brocken aus Eis und Gestein.

Philae_im_Landeanflug_ESA_400 Dieses Bild sendete Rosetta, nachdem sich der Lander Philae von ihr gelöst hatte. Quelle: ESA

Der Landeplatz namens Agilkia, der auf der größeren der beiden Hälften des eigentümlich geformten Kometen liegt, wurde nur sechs Wochen nach dem Einschwenken der Sonde in die Umlaufbahn des Kometen anhand von Bildern und Daten aus Entfernungen zwischen 30 und 100 km zu dem Kometen ausgewählt. Die Bilder zeigten, dass die Oberfläche des Kometen mit Gesteinsbrocken übersät ist, hoch aufragende Felswände und steile Abgründe und Gruben aufweist und Gas- und Staubfontänen hinter sich lässt.

Für die Landung war eine Geschwindigkeit von etwa 1m/Sek. geplant, wobei der dreibeinige Landeuntersatz den Aufprall abfing, um ein Zurückfedern in den Weltraum zu verhindern, und an jedem Bein angebrachte Eisschrauben sich in den Boden drehten. Gleichzeitig wurden zwei Harpunen abgeschossen, die das Landegerät an der Oberfläche festzurrten.

Update 14.11.2014: Wie sich inzwischen herausgestellt hat, konnte sich Philea nicht ausreichend auf dem Kometen verankern. Die ESA vermutet, ihr Landeroboter sei bei der Landung abgeprallt und zwei- bis dreimal über die Oberfläche von 67P gesprungen. Dabei entfernte er sich von der geplanten Landestelle und steht jetzt womöglich am Rand eines Kraters. Philea steht offenbar nur mit zwei seiner drei Beine auf dem Boden. Die Solarzellen können am aktuellen Standort zudem nicht ausreichend Sonnenlicht einfangen, um das geplante wissenschaftliche Programm auszuführen; die Batterien drohen leerzulaufen. Die ESA kann allerdings noch versuchen, Philae neu auszurichten. Jede Bewegung gilt als schwierig, weil auf dem Kometen nur geringe Schwerkraft herrscht.

ESA_Rosetta_Philae_Erstes-Landefoto Das erste Foto von Philae zeigt den Landeplatz, im Vordergund ist einer der Beine der Sonde zu sehen. Quelle: ESA/Rosetta/Philae/CIVA

Bis März 2015 sollte Philae u.a. die elektrischen und mechanischen Eigenschaften der Kometen-Oberfläche messen und durch den Kometenkern hindurch Radiosignale mit niedriger Frequenz zum Rosetta-Orbiter senden, um den inneren Aufbau von 67P zu erforschen.

WWW:
Rosetta-Projektseite der ESA
Rosetta-Lander: Philae
Der Komet 67P/Tschurjumow-Gerasimenko

Lesen Sie außerdem im Scienceticker:
Rosetta hat ihren Zielkometen erreicht
Der Duft eines Kometen
Eine Karte von „Tschuri“

Posted in: Raumfahrt
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (3 Bewertungen, im Schnitt 4,67 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.