Posted in: Sterne 5. März 2015 20:00 Weiter lesen →

Der schnellste Stern der Milchstraße

Grafik zeigt weißblau glimmende Kugel in Explosionswelle von gleicher Farbe Den schnellsten Stern der Galaxis haben deutsche Astronomen identifiziert. Ihre Vermessung ergab, dass sich der Raser mit erstaunlichen 4 Millionen Kilometern pro Stunde durch das All bewegt. Schon jetzt hoch über der Scheibe der Milchstraße stehend, wird der Stern seine Heimatgalaxie daher auf immer verlassen.

Grafik: NASA, ESA and P. Ruiz Lapuente (University of Barcelona); Cut and colored by S. Geier

Doch nicht allein die enorme Geschwindigkeit mache den Stern mit der Bezeichnung US 708 so interessant, schreiben die Forscher um Stephan Geier von der Europäischen Südsternwarte (ESO) und der Universität Erlangen-Nürnberg im Magazin „Science“. Hinzu komme seine ungewöhnliche Geschichte: Im Gegensatz zur Mehrzahl der bekannten Hyperschnellläufer sei er nicht durch das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße, sondern bei der Explosion eines Partnersterns beschleunigt worden.

US 708 war im Jahr 2005 von einer Gruppe um Ulrich Heber an der Sternwarte Bamberg entdeckt worden. Das stellare Leichtgewicht besteht überwiegend aus Helium, während die meisten anderen Raser reichlich Masse in Form von Wasserstoff besitzen. Um mehr über das ungewöhnliche Objekt zu erfahren, führten Geier, Heber und Kollegen aus mehreren Ländern weitere Beobachtungen mit Teleskopen auf Hawaii und in Kalifornien durch.


NASA, ESA and P. Ruiz Lapuente (University of Barcelona); Cut and colored by S. Geier

Die Astronomen fanden, dass sich US 708 mit rund 1.150 Kilometern pro Sekunde durch das All bewegt – rund anderthalb Mal so schnell wie bislang angenommen – und sich außerdem sehr schnell um die eigene Achse dreht. Mehr noch: Verfolgt man die Flugbahn des Sterns zurück, so gelangt man nicht etwa ins Zentrum der Milchstraße, von wo die „typischen“ Hyperschnellläufer stammen, sondern in eine Region der Milchstraßenscheibe, die unweit des Sonnensystems liegt.

Laut den Forschern passen diese Fakten gut zu einem alternativen Modell für die Entstehung von Hyperschnellläufern. Bis vor etwa 14 Millionen Jahren gehörte US 708 demnach zu einem Doppelsternsystem, in dem er und ein ausgebrannter, aber massereicher Partnerstern einander immer enger umkreisten. Dieser Partner zog Materie von US 708 ab, die sich an seiner Oberfläche ansammelte und in der schließlich die Kernfusion zündete. Die resultierende Stoßwelle ließ den Partnerstern als Supernova explodieren, und US 708, weniger als einen Sonnendurchmesser entfernt, wurde jäh in die Tiefe des Raums verstoßen.

Forschung: Stephan Geier, Ulrich Heber und Andreas Irrgang, European Southern Observatory, Garching, und Dr.-Remeis-Sternwarte, Astronomisches Institut der Universität Erlangen-Nürnberg, Bamberg; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 347(6626), pp 1126–8, DOI 10.1126/science.1259063

WWW:
Dr.-Remeis-Sternwarte, Bamberg
Animationen möglicher Katapultmechanismen
Europäische Südsternwarte
Hypervelocity Stars

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Rasender Stern auf Fluchtkurs

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