Posted in: Galaxien, Kosmos 11. März 2015 11:21 Weiter lesen →

Milchstraße: Neun neue Begleiterinnen

Foto des Nachthimmels über 3 Teleskopen, Einschübe zeigen Bereiche etwas dichter stehender Sterne Die Entdeckung von gleich neun Satellitengalaxien der Milchstraße vermelden britische Astronomen. Die neuen Begleiterinnen sind extrem klein und leuchtschwach, sodass sie erst bei der computergestützten Analyse hochauflösender Teleskopaufnahmen gefunden wurden, nämlich als statistische Auffälligkeiten in der Sterndichte am Nachthimmel.

Bild: V. Belokurov, S. Koposov (IoA, Cambridge). Photo: Y. Beletsky (Carnegie Observatories)

Sämtliche der neuen Begleitgalaxien liegen in der Nähe von zwei altbekannten Satelliten der Milchstraße, der Großen und der Kleinen Magellanschen Wolke, berichten die Forscher um Sergey Koposov von der Universität Cambridge im „Astrophysical Journal“. Für die Wissenschaft seien die Winzlinge von enormer Bedeutung, da sie Einblicke in die Vergangenheit des Milchstraßensystems und in die Natur der Dunklen Materie erlaubten.

Koposov und Kollegen verwendeten für ihre Arbeit die Bilder des Dark Energy Survey. Im Rahmen dieses internationalen Forschungsprojekts kartiert eine leistungsfähige Kamera an einem Teleskop in Chile einen großen Ausschnitt des südlichen Sternhimmels. Die Forscher luden sämtliche Aufnahmen des ersten Beobachtungsjahres – entsprechend mehr als 46 Terabyte oder 10.000 DVDs an Bilddaten – auf ihre Institutsrechner herunter und unterzogen sie einer statistischen Analyse.

Tatsächlich schlug der Suchalgorithmus häufig an, berichten Koposov und Kollegen. Im Fall der nun vorgestellten Funde sprechen deren Form und Größe sowie die jeweils enthaltenen Sterne stark für die Annahme, dass es sich um zwergenhafte Galaxien handelt.

Panorama der Milchstraßenumgebung mit Positionen der Magellanschen Wolken und der SatellitenBild: S. Koposov, V. Belokurov (IoA, Cambridge). Background: 2MASS

Das nächstgelegene Exemplar liegt auf halber Strecke zur Großen Magellanschen Wolke. Es ist wenig mehr als 100 Lichtjahre groß und damit um den Faktor 1.000 kleiner als die Milchstraße, zudem scheint es von deren Gezeitenkräften in die Länge gezogen zu werden. Das am weitesten entfernte Exemplar liegt dagegen jenseits der Kleinen Magellanschen Wolke im Abstand von gut 1 Million Lichtjahren und enthält möglicherweise sogar einen eigenen Kugelsternhaufen.

Die Entdeckung der neuen Begleitgalaxien werfe viele Fragen auf, erklärt Koposovs Institutskollege Wyn Evans. Vielleicht seien die Zwerge ursprünglich Satelliten der beiden Magellanschen Wolken gewesen, dann aber bei einer engen Begegnung zwischen diesen zwei Galaxien fortgeschleudert worden. „Vielleicht gehörten sie einst aber auch zu einer riesigen Gruppe von Galaxien, die nun mitsamt der Magellanschen Wolken in die Milchstraße stürzt.“

Forschung: Sergey E. Koposov, Vasily Belokurov, Gabriel Torrealba und N. Wyn Evans, Institute of Astronomy, Cambridge

Veröffentlichung Astrophysical Journal (im Erscheinen); Preprints arXiv:1503.02079 und arXiv:1503.02584

WWW:
Institute of Astronomy, University of Cambridge
The Satellite Galaxies
Zwerggalaxien
Dark Energy Survey

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